Im Interview: Elena Graf, Konzertmeisterin

Elena Graf bei der Probe zum Maimusik Open Air 2014

Elena Graf bei der Probe zum Maimusik Open Air 2014

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich habe im im Januar 2013 mit dem Württembergischen Kammerorchester solistisch gespielt und dabei erfahren, dass hier eine halbe Konzertmeisterstelle ausgeschrieben wird. Eigentlich war ich unschlüssig, ob ich schon ein Probespiel für ein Orchester machen oder lieber weiter Kammermusik und Solokonzerte spielen soll. Aber ich fand das Orchester nett und gut, sodass ich mich beworben habe.

Wann wusstest Du, dass Du Orchestermusikerin werden möchtest?

Mit drei Jahren. Meine Eltern sind beide Musiker. Mein Vater ist erster Solocellist an der Oper in Frankfurt. Früher haben beide Eltern in einem Kammerorchester gespielt und so lernte ich ziemlich früh das Kammerorchesterrepertoire kennen. Vor allem von den Geigern war ich begeistert. Ich wollte unbedingt Geige lernen. In die Freundschaftsbücher, die es damals in der Schule gab, habe ich auf die Frage, was ich mal werden will, geschrieben: Konzertmeisterin.

Heute weiß ich, dass das eine schwierige Aufgabe ist, bei der es nicht nur auf das Geigenspiel ankommt. Aber mir macht es Spaß, Verantwortung zu übernehmen. Es fällt mir sogar leichter als im tutti zu spielen, weil ich dabei automatisch konzentrierter bin. Continue reading

Im Interview: Jun Hee An, Violine I

Jun Hee An mit Mister, Foto: M42

Jun Hee An mit Mister, Foto: M42

Wann wusstest Du, dass Du Violine studieren möchtest?

Ich habe mit 8 Jahren begonnen Geige zu spielen, mit 13 folgte das Studium. Das ist für Südkorea sehr spät. Viele Kinder fangen mit 4 oder 5 Jahren an zu spielen und studieren mit acht Jahren bei einem Professor. Mit 14 Jahren ging ich für zwei Jahre zum Studium nach Amerika. Damals habe ich zum ersten Mal in einem Orchester gespielt und mir gewünscht dies immer tun zu können.

Wolltest Du gleich in einem Kammerorchester spielen?

Nein. Ich habe zuvor immer in großen Orchestern gespielt. Aber dann hat es mit dem Probespiel hier geklappt. Hier ist jeder Solist und muss ganz genau zuhören. Im großen Orchester kann man schon mal unter den vielen Geigen verschwinden. Ich finde es viel schöner im Kammerorchester ‒ hier ist jeder Einzelne wichtig. Continue reading

Im Interview: Stefan Schubert, Violine II

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Auto und Flugzeugtechnikern, in der hobbymäßig viel musiziert wurde. Mit meinem Vater, der auch Geige spielt, und meiner Schwester am Klavier habe ich schon als Kind viel Kammermusik gemacht. Bis ich 16 war, fand ich segeln und surfen allerdings wesentlich interessanter als Geige zu üben. Eine neue Geigenlehrerin schaffte es zu guter Letzt doch noch, mich aufs Musikstudium vorzubereiten. Direkt nach dem Studium kam ich ins Württembergische Kammerorchester Heilbronn, welches ich aus Konzerten im Münchner Gasteig bereits gut kannte und schätzte.

Welche Einstellung hatten Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch?

Sie haben sich sicher Sorgen gemacht, ob ich das schaffe, mich aber immer nach Kräften unterstützt.

Gibt es eine Musik, die Dich bestärkt hat, Orchestermusiker zu werden?

Ich glaube, bei César Francks Violinsonate hat es mit 17 Jahren Klick gemacht. Ich fand es faszinierend, wie sich meine eigene Gefühlswelt in diesem Werk auf magische Weise widerspiegelte. Continue reading

Im Interview: Satoko Koike, Stimmführerin Violine II

Satoko Koike, Fotostudio M42

Satoko Koike, Fotostudio M42

Du bist erst seit Februar im WKO. Hast Du Dich hier schnell eingelebt?

Ich kannte das Orchester bereits zuvor, da ich schon oft als Aushilfe gespielt habe. Deswegen war es für mich sehr angenehm und einfach anzufangen.

Wie bist Du zur Violine gekommen und was hat Dich nach Deutschland gezogen?

In Japan ist klassische Musik sehr beliebt. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich meine Mutter zum Geigenrecital mitgenommen und da habe ich gesagt: „Dieses Instrument möchte ich spielen“. Ich habe in Japan studiert und hatte eigentlich nicht vor, nach Deutschland zu kommen. Aber bei einem Meisterkurs in Italien hat mir der Lehrer gesagt, dass ich unbedingt nach Deutschland gehen müsse, da meine Art des Musizierens dorthin passt.

Du hast auch in Sinfonieorchestern gespielt. Was ist das Besondere am Kammerorchester?

Ich liebe beides. Das Repertoire bei einem Sinfonieorchester ist sehr groß, und weil es so viele Instrumenten gibt, kann man manchmal eigene Töne nicht hören. Beim Kammerorchester ist das ganz anders: Hier geht es um jeden einzelnen Musiker und man hört jeden Ton.
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Frank Peter Zimmermann im WKO Talk

Der Violinist Frank Peter Zimmermann ist der erste Gast in unserer Reihe WKO Talk. Gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester spielte er im Februar 2014 Werke für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Video sind Ausschnitte aus dem Konzert im Saal Is Sanat in Istanbul zu sehen.

Das Württembergische Kammerorchester mit Frank Peter Zimmermann in Istanbul

Sonnenaufgang_Istanbul_Foto_HansGeorgFischer

Sonnenaufgang über Istanbul, Foto: Hans Georg Fischer

Allen Reiseaktivitäten des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn zum Trotz – Istanbul stand in der über 50jährigen Geschichte des Kammerorchesters ausgesprochen selten auf dem Tourneeplan. Die Vorfreude auf die Stadt zwischen Europa und Asien, zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer ist also groß, und einigen Orchestermitgliedern gelingt es, ein, zwei Tage dran zu hängen. Natürlich sind wir zum Arbeiten gekommen, aber es ist auch nicht verwunderlich, wenn sich einzelne Gruppen am Mittag im Großen Basar treffen oder in der überwältigenden Moschee Hagia Sophia verstohlen zuwinken. Unser Hotel liegt direkt neben der Flanier- und Shopping-Meile Istiklal Caddesi, in deren Seitengassen das Nachtleben mit ohrenbetäubender Lautstärke tobt. Die Gitarre spielenden Kollegen beschallen je ein Lokal mit jeweils größerer Phonstärke als der direkte Nachbar, und wer hinsieht, kann erahnen, dass sämtliche Lieder von den jungen Besuchern lauthals mitgesungen werden; zu hören ist das nicht.

Konzert im Bankenviertel Continue reading

Zu Gast bei Frank Peter Zimmermann und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn

Probenbesuch beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, Foto: Pfeffer

Probenbesuch beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, Foto: Pfeffer

Wenn ein Solist wie Frank Peter Zimmermann zu Gast ist, ist das auch für das Württembergische Kammerorchester Heilbronn etwas besonderes. Die Zusammenarbeit mit den besten Solisten der Welt ist für das WKO selbstverständlich, aber Zimmermann kennen einige Musiker des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn bereits seit Beginn seiner jahrzehntelangen Karriere. In der Probe mit Frank Peter Zimmermann am Mittwoch waren neben dem Stargeiger noch viele andere Gäste zugegen. Und einige von ihnen hatten ganz praktische, dringende Fragen an die Musiker des WKO.

Was ist wenn ein Musiker aufs Klo muss?

Was ist, wenn ein Musiker während des Konzertes aufs Klo muss? Ist schon mal jemand während des Konzertes eingeschlafen? Was passiert, wenn eine Saite reißt?

Diese und viele andere Fragen hatte die Klasse vier der Grundschule „Am Grasigen Hag“ aus Weinsberg mitgebracht. Dass das WKO auch ohne Dirigenten spielen musste, weil dieser plötzlich schwer erkrankt war, wussten die Musiker den begeisterten Besuchern zu berichten. Natürlich wollten die jungen Besucher auch wissen, wie alt man sein muss, um im Orchester mitzuspielen. Die jüngste WKO-Musikerin in der Probe ist 25 Jahre, allerdings hat Frank Peter Zimmermann selbst bereits mit 10 Jahren sein erstes öffentliches Konzert mit Orchester gegeben. Den, mittlerweile natürlich erwachsenen, Geiger konnte die Grundschüler dann aus nächster Nähe erleben. Während der Probe durften sie im Orchester und um den Geiger herum sitzen und so einmal ein Orchester aus allernächster Nähe erleben. Continue reading