„Spielen Sie meine Werke“ – Die Geschichte einer kreativen Freundschaft

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister  Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Als die Pianistin Margarita Höhenrieder den Komponisten Harald Genzmer kurz vor seinem Tod besuchte, verband die beiden bereits eine jahrelange Freundschaft. Während dieser letzten Begegnung fragte sie den Komponisten, ob sie etwas für ihn tun könne. Er antwortete einfach: „Spielen Sie meine Werke!“ Harald Genzmer starb 2007. Im Jahr 2008 fand die Uraufführung seines letzten Werkes „Wie ein Traum am Rande der Unendlichkeit“, eine Fantasie des Abschieds, in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia statt, eingespielt von Margarita Höhenrieder und Emmanuel Pahud. Genzmer widmete der Pianistin dieses letzte große Werk, die Originalpartitur ist in ihrem Besitz. Continue reading

Innige Klaviermusik in der Abschlussmatinée der Maimusik

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Er ist erst 22 Jahre und bereits ein Star. Ein Wunderkind. Doch die Rede ist nicht etwa von Wolfgang Amadeus Mozart, dieser hat es zeitlebens nicht aus Europa herausgeschafft. Die Rede ist von Kit Armstrong. Sein Klavierdebüt gab er mit acht Jahren. 14 Jahre später arbeitet er international sowohl als Pianist, als auch als Komponist, mit renommierten Orchestern. Bei der „Maimusik“ spielt er am Vormittag des 25. Mai 2014 ein Recital in der Heilbronner Harmonie. Eine Programmauswahl aus seiner ersten CD, die kürzlich erschienen ist, wird zu hören sein.

Ein Wunderkind voller Bescheidenheit

„Wunderkind“, so nannte Alfred Brendel den damals 16-jährigen Kit Armstrong. Doch Armstrong ging nicht den Weg des schnellen, schillernden Erfolges. Sechs Jahre lies er sich Zeit, bis im Herbst vergangenen Jahres seine Debüt-CD erschien. Von seinem Mentor Alfred Brendel lernte er auch die Geduld und die Bescheidenheit. In den sechs Jahren von seinem Bühnen- bis zum CD-Debüt hat er viel konzertiert, sich mit der Musik beschäftigt und seinem Hobby, der Mathematik, gefrönt. In dieser Zeit ist er reif geworden und hat seine Klaviermusik verinnerlicht . So ist die Debüt-CD ein Beweis der Innigkeit und Musikalität des „Wunderkindes“.

Gefühlslandschaft am Klavier

„Eine Gefühlslandschaft, abwechslungsreich wie die einer Barockoper“, schreibt die Wochenzeitung ZEIT über die Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach. Kit Armstrong hat sie selbst für das Klavier bearbeitet und auf der CD durch eine eigene Fantasie über B-A-C-H ergänzt.

Diese Bearbeitung wird auch in der Matinée der „Maimusik Heilbronn“ zu hören sein. Ihr stellt der junge Pianist das seelenbefriedete Choralvorspiel op. 122 von Johannes Brahms über den Choral „Herzlich tut mir verlangen“ voran. Unüberhörbar ist die musikalische Beziehung zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhard, den Johann Sebastian Bach regelmäßig zitierte.

Matinée bei der Maimusik

Doch das Konzertprogramm in der Harmonie Heilbronn wird über die Musik der Debüt CD hinausgehen. Während das Choralvorspiel, trotz freier Elemente, stark an den Choral gebunden ist, löst sich die Fantasie stärker von den ihr zugrunde liegenden Melodien. Der Niederländer Jan Peterson Sweelincks schrieb im 16./17. Jahrhundert variantenreiche Fantasien. An diese freie Gestaltungsform knüpft im 19. Jahrhundert Franz Liszt an. Seine „Fantasie und Fuge über ‘Ad nos, ad salutarem undam’“ bezieht sich auf Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“. Dort ruft der Gesang des Psalmes zu Widerstand gegen die Sklaverei und Leibeigenschaft auf. Die Erregung ist in der Musik zu hören, der Text in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni natürlich nicht.

Dieses Konzept verfolgt auch Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinen Liedern ohne Worte. Kit Armstrong wird mit ihnen die Matinée eröffnen. Obwohl es in den Liedern ohne Worte keinen Text gibt, so scheinen sie doch aus der Musik heraus zu sprechen. Dies setzt natürlich eine starke Ausdruckskraft des Pianisten voraus, wie sie beim gereiften Wunderkind Kit Armstrong durchweg zu hören ist.

Die Spur führt zu Beethoven – Margarita Höhenrieder, Artist in Blog Residence

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp  / pixelio.de

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp / pixelio.de

Am 11. Februar 1812 wurde Ludwig van Beethovens 5. Klavierkonzert op. 73 in Es-Dur erstmals in Wien aufgeführt. Am Flügel saß Carl Czerny. Dieser war Sohn des Pianisten Wenzel Czerny und selbst überaus begabt. Bereits mit 15 Jahren war er ein gesuchter Klavierlehrer. Zuvor, von 1801 bis 1803, war er selbst ein Schüler des erfolgreichen Komponisten Ludwig van Beethoven.

An dem Zusammentreffen dieser beiden Musiker kann man eine gerade Linie musikalischer Lehrtätigkeit verfolgen, welche bis zu unserem Artist in Blog Residence, der Pianistin Margarita Höhenrieder, führt.

Von Beethoven zu Artur Schnabel

Denn der Beethoven-Schüler Carl Czerny wurde selbst ein gefragter Komponist, Musikpädagoge und Pianist. Carl Czerny unterrichtete ab 1841 in Wien den jungen Pianisten Teodor Leszetycki. Dieser hatte bereits mit elf Jahren in Lemberg, mit einem Konzert seines späteren Lehrers Carl Czerny, als Pianist debütiert. Nach einer Professur in Klavierspiel am Konservatorium in St, Petersburg kehrte Teodor Leszetycki 1878 nach Wien zurück. Dort unterrichtete er ab 1888 den elfjährigen Artur Schnabel. Nach einigen Jahren Unterricht ging Artur Schnabel nach Berlin, wo er später Professor an der Musikhochschule wurde. Internationale Beachtung erlangte er durch die Aufführung des Tripelkonzerts C-Dur op.56 von Ludwig van Beethoven mit dem Geiger Karl Klingler, dem Cellisten Arthur Williams und den Berliner Philharmonikern und die Aufführung und Einspielung sämtlicher Sonaten von Beethoven.

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