Sonne über der Maimusik

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn zieht positive Bilanz des Festivals „Maimusik Heilbronn“

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – so lautete die Losung des Festivals „Maimusik Heilbronn“ des Württembergischen Kammerorchesters, das vom 14. bis zum 25. Mai 2014 erstmalig an verschiedenen Spielorten in Heilbronn stattgefunden hat. Drei Konzerte des Festivals waren unter freiem Himmel zu hören, was bei der nicht ganz eindeutigen Wetterlage im Wonnemonat Mai ein Wagnis darstellte. Auch das neue Konzept, dessen Idee es ist, unter dem Motto „Musizieren mit Freunden“ unterschiedlichste Gäste zum Festival einzuladen und an ungewöhnlichen Spielorten in der Stadt vorzustellen, ist aufgegangen – das Kammerorchester hat gewagt und: gewonnen.

Rund 6000 Besucher bei der Maimusik

Rund 6000 Besucher wurden mit den zehn Konzerten des Festivals erreicht und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn hat viele neue Freunde gewinnen können. „Es hat geklappt: Wir wollten in die Stadt gehen und mit Open-Air-Konzerten auch Personenkreise zum Hören klassischer Musik einladen, die üblicherweise nicht in unsere Konzerte kommen“, freut sich WKO-Intendant Dr. Christoph Becher. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, das Festival ist sehr gut angenommen worden – das ist ein toller Start in den Sommer“. Continue reading

Bildergalerie vom Maimusik Open Air

Innige Klaviermusik in der Abschlussmatinée der Maimusik

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Er ist erst 22 Jahre und bereits ein Star. Ein Wunderkind. Doch die Rede ist nicht etwa von Wolfgang Amadeus Mozart, dieser hat es zeitlebens nicht aus Europa herausgeschafft. Die Rede ist von Kit Armstrong. Sein Klavierdebüt gab er mit acht Jahren. 14 Jahre später arbeitet er international sowohl als Pianist, als auch als Komponist, mit renommierten Orchestern. Bei der „Maimusik“ spielt er am Vormittag des 25. Mai 2014 ein Recital in der Heilbronner Harmonie. Eine Programmauswahl aus seiner ersten CD, die kürzlich erschienen ist, wird zu hören sein.

Ein Wunderkind voller Bescheidenheit

„Wunderkind“, so nannte Alfred Brendel den damals 16-jährigen Kit Armstrong. Doch Armstrong ging nicht den Weg des schnellen, schillernden Erfolges. Sechs Jahre lies er sich Zeit, bis im Herbst vergangenen Jahres seine Debüt-CD erschien. Von seinem Mentor Alfred Brendel lernte er auch die Geduld und die Bescheidenheit. In den sechs Jahren von seinem Bühnen- bis zum CD-Debüt hat er viel konzertiert, sich mit der Musik beschäftigt und seinem Hobby, der Mathematik, gefrönt. In dieser Zeit ist er reif geworden und hat seine Klaviermusik verinnerlicht . So ist die Debüt-CD ein Beweis der Innigkeit und Musikalität des „Wunderkindes“.

Gefühlslandschaft am Klavier

„Eine Gefühlslandschaft, abwechslungsreich wie die einer Barockoper“, schreibt die Wochenzeitung ZEIT über die Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach. Kit Armstrong hat sie selbst für das Klavier bearbeitet und auf der CD durch eine eigene Fantasie über B-A-C-H ergänzt.

Diese Bearbeitung wird auch in der Matinée der „Maimusik Heilbronn“ zu hören sein. Ihr stellt der junge Pianist das seelenbefriedete Choralvorspiel op. 122 von Johannes Brahms über den Choral „Herzlich tut mir verlangen“ voran. Unüberhörbar ist die musikalische Beziehung zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhard, den Johann Sebastian Bach regelmäßig zitierte.

Matinée bei der Maimusik

Doch das Konzertprogramm in der Harmonie Heilbronn wird über die Musik der Debüt CD hinausgehen. Während das Choralvorspiel, trotz freier Elemente, stark an den Choral gebunden ist, löst sich die Fantasie stärker von den ihr zugrunde liegenden Melodien. Der Niederländer Jan Peterson Sweelincks schrieb im 16./17. Jahrhundert variantenreiche Fantasien. An diese freie Gestaltungsform knüpft im 19. Jahrhundert Franz Liszt an. Seine „Fantasie und Fuge über ‘Ad nos, ad salutarem undam’“ bezieht sich auf Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“. Dort ruft der Gesang des Psalmes zu Widerstand gegen die Sklaverei und Leibeigenschaft auf. Die Erregung ist in der Musik zu hören, der Text in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni natürlich nicht.

Dieses Konzept verfolgt auch Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinen Liedern ohne Worte. Kit Armstrong wird mit ihnen die Matinée eröffnen. Obwohl es in den Liedern ohne Worte keinen Text gibt, so scheinen sie doch aus der Musik heraus zu sprechen. Dies setzt natürlich eine starke Ausdruckskraft des Pianisten voraus, wie sie beim gereiften Wunderkind Kit Armstrong durchweg zu hören ist.

Spaziergang zu den Maimusik-Spielstätten mit dem Solistenensemble Kaleidoskop

Schießhaus Heilbronn, Foto: WKO

Schießhaus Heilbronn, Foto: WKO

Kammermusik-Konzerte an ungewöhnlichen Orten: das hat sich das WKO-Festival „Maimusik Heilbronn“ auf die Fahnen geschrieben. Vor wenigen Tagen haben wir in unserem ersten Stadtspaziergang die Open Air Spielstätten besucht. Heute führt uns unser Weg zu den Konzertorten, an denen das Solistenensemble Kaleidoskop auftritt. Dazu haben wir uns in der Nähe des Bahnhofs in die Frankfurter Straße begeben.

Von der Straße herab senkt sich der Weg leicht in den grünen Garten hinein. Wir blicken auf ein imposantes, gelb-weißes Gebäude im Rokokostil. Das Schießhaus hat seinen Namen wegen der ursprünglichen Verwendung als Schützenhaus. Das Gebäude wurde 1770/71 erbaut und diente seitdem den unterschiedlichsten Zwecken; unter anderem fanden dort Versteigerungen beim berühmten Heilbronner Pferdemarkt statt. Im Obergeschoss betreten wir den denkmalgeschützten Rokokosaal. Im blankgeputzten Holzboden spiegeln sich die beeindruckenden weißen Stuckaturen der Decke.

Ursprünge des Streichquartetts

In der wunderbaren Akustik dieses Saals ist im Rahmen der „Maimusik“ am 22. Mai das Solistenensemble „Kaleidoskop“ zu hören. Das Ensemble ist in den vergangenen Jahren durch außergewöhnliche Konzert- und Vermittlungsprojekte aufgefallen. In ihrem Konzert in Heilbronn stellen die Musiker die zwei Urväter des Streichquartetts, Luigi Boccherini und Joseph Haydn, gegenüber. Im selben Jahrzehnt, in dem das Schießhaus erbaut wurde, schufen Boccerini und Haydn beide ihre ersten Streichquartette – Haydn im Hause Esterházy, Boccherini in Mailand. Mit der Entwicklung der Streichquartette markieren sie das Ende des Barock. Wo sich dieses hinbewegen kann, zeigt die Begegnung mit Terry Rileys 1980 entstandenem Streichquartett “Sunrise of the Planetary Dream Collector für Quartett” im gleichen Konzert. Continue reading

Spaziergang zu den Open-Air-Spielorten der „Maimusik Heilbronn“

Neckarstufen, hier findet das Open Air Konzert statt. Foto: WKO

Neckarstufen, hier findet das Open Air Konzert statt. Foto: WKO

Unser kleiner Stadtspaziergang zu den Open Air Spielstätten der „Maimusik“ beginnt auf der Brücke, über die die Kaiserstraße den Neckar überquert. Von hier schlendern wir auf der rechten Flussseite in Fließrichtung über das helle Pflaster der Unteren Neckarstraße. Das Rattern der Stadtbahnen und das Hupen der Taxen auf der Kaiserstraße entfernen sich nach und nach. Nach rund 250 Metern erreichen wir linkerhand die Neckarstufen.

Neckarstufen

An diesem ruhigen Ort finden am 21. Mai die Konzerte der Bläser des Trondheim Sinfonieorchesters statt. Durch das nahegelegene Wasserkraftwerk steht der Neckar fast still und der Himmel über Heilbronn spiegelt sich in ihm. Wir nehmen auf den Stufen Platz und lassen unseren Blick schweifen. Links neben der kleinen Seeterrasse tummeln sich die Enten im Gras. Am 21. Mai werden sie sich hier mit Schwan und Schildkröte aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ tummeln. Nicht ganz so herzlich könnte das Zusammentreffen mit Esel und den Löwe ausfallen. Hinter uns auf der grünen Wiese jagen Kinder einem Ball hinterher. Von den Gastronomiebetrieben der Unteren Neckarstraße weht ein leichter Geruch von Zwiebeln herüber, der zum schwäbischsten aller Gerichte gehört, den Maultaschen.

Während man das Kinderkonzert am 21. Mai sicherlich auch vom gegenüberliegenden Wasserspielplatz und vom Spielplatz neben dem Freizeitbad Soleo verfolgen können wird, wird das Konzert zum Sonnenuntergang wohl eher den ein oder anderen Biergartenbesucher erfreuen. Continue reading

Partnerschaft des WKO mit dem Trondheimer Sinfonieorchester

Bläser des Trondheimer Sinfonieorchesters, Foto: Christian Nilsen

Bläser des Trondheimer Sinfonieorchesters, Foto: Christian Nilsen

Musik ist grenzübergreifend. Über die Ländergrenzen hinweg, gehen das Württembergische Kammerorchester Heilbronn und das Trondheimer Sinfonieorchester eine Partnerschaft ein, die in der deutschen Orchesterlandschaft einzigartig ist. In der Vergangenheit waren regelmäßig einzelne Stimmgruppen oder Musiker im jeweils anderen Orchester zu Gast. Im Rahmen des Festivals „Maimusik Heilbronn“ (14.-25. Mai 2014)sind die Bläser des Trondheim Sinfonieorchesters in Heilbronn.

Sie spielen gemeinsam mit dem WKO im Eröffnungskonzert, in dem die Violinistin Veronika Eberle zu Gast sein wird. Sie ist Solistin im Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Seine Musik bildet den Schwerpunkt der aktuellen Saison des Württembergischen Kammerorchesters. Da darf das Violinkonzert nicht fehlen. Dieses Konzertprogramm geht anschließend auf eine Tournee nach Ansbach, Ludwigsburg und Augsburg. Continue reading