Spaziergang zu den Maimusik-Spielstätten mit dem Solistenensemble Kaleidoskop

Schießhaus Heilbronn, Foto: WKO

Schießhaus Heilbronn, Foto: WKO

Kammermusik-Konzerte an ungewöhnlichen Orten: das hat sich das WKO-Festival „Maimusik Heilbronn“ auf die Fahnen geschrieben. Vor wenigen Tagen haben wir in unserem ersten Stadtspaziergang die Open Air Spielstätten besucht. Heute führt uns unser Weg zu den Konzertorten, an denen das Solistenensemble Kaleidoskop auftritt. Dazu haben wir uns in der Nähe des Bahnhofs in die Frankfurter Straße begeben.

Von der Straße herab senkt sich der Weg leicht in den grünen Garten hinein. Wir blicken auf ein imposantes, gelb-weißes Gebäude im Rokokostil. Das Schießhaus hat seinen Namen wegen der ursprünglichen Verwendung als Schützenhaus. Das Gebäude wurde 1770/71 erbaut und diente seitdem den unterschiedlichsten Zwecken; unter anderem fanden dort Versteigerungen beim berühmten Heilbronner Pferdemarkt statt. Im Obergeschoss betreten wir den denkmalgeschützten Rokokosaal. Im blankgeputzten Holzboden spiegeln sich die beeindruckenden weißen Stuckaturen der Decke.

Ursprünge des Streichquartetts

In der wunderbaren Akustik dieses Saals ist im Rahmen der „Maimusik“ am 22. Mai das Solistenensemble „Kaleidoskop“ zu hören. Das Ensemble ist in den vergangenen Jahren durch außergewöhnliche Konzert- und Vermittlungsprojekte aufgefallen. In ihrem Konzert in Heilbronn stellen die Musiker die zwei Urväter des Streichquartetts, Luigi Boccherini und Joseph Haydn, gegenüber. Im selben Jahrzehnt, in dem das Schießhaus erbaut wurde, schufen Boccerini und Haydn beide ihre ersten Streichquartette – Haydn im Hause Esterházy, Boccherini in Mailand. Mit der Entwicklung der Streichquartette markieren sie das Ende des Barock. Wo sich dieses hinbewegen kann, zeigt die Begegnung mit Terry Rileys 1980 entstandenem Streichquartett “Sunrise of the Planetary Dream Collector für Quartett” im gleichen Konzert. Continue reading

Interview mit der Pianistin Margarita Höhenrieder zu Beethovens Todestag

Ein Teil des Heiligenstädter Testament in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Ein Teil des Heiligenstädter Testaments in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Anlässlich des 187. Todestages von Ludwig van Beethoven am heutigen 26. März sprachen wir mit Margarita Höhenrieder über seine Wirkung.

Welches Werk von Beethoven haben Sie zuletzt gespielt?

Das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in Es Dur,op.16, ein wunderbares Jugendwerk von Beethoven, es wurde wahrscheinlich 1796/97 komponiert.

Vor kurzem haben wir im Blog ihre künstlerbiografische Verbindung zu Ludwig van Beethoven vorgestellt. Was bedeutet Ihnen diese Verbindung?

Für mich sind Authentizität und Tradition grundsächlich sehr wichtig und durch diese Verbindung zu Beethoven als seine “Urururenkelschülerin” finde ich vielleicht überzeugende Antworten auf manche interpretatorische Fragen in seinen Werken.

Beethoven war ein ein ganz herausragender Pianist und Improvisator. Seine Klavierkompositionen – vor allem die Sonaten, Variationen und Klavierkonzerte – sind auf der emotionalen, intellektuellen und auch rein pianistischen Ebene eine einzigartige Herausforderung für jeden Pianisten. Man muss nicht nur der geistigen Dimension der Komposition gerecht werden, sondern immer auch den Vergleich mit der großen Zahl begnadeter Pianistinnen und Pianisten in Vergangenheit und Gegenwart bestehen. Continue reading

Die Spur führt zu Beethoven – Margarita Höhenrieder, Artist in Blog Residence

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp  / pixelio.de

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp / pixelio.de

Am 11. Februar 1812 wurde Ludwig van Beethovens 5. Klavierkonzert op. 73 in Es-Dur erstmals in Wien aufgeführt. Am Flügel saß Carl Czerny. Dieser war Sohn des Pianisten Wenzel Czerny und selbst überaus begabt. Bereits mit 15 Jahren war er ein gesuchter Klavierlehrer. Zuvor, von 1801 bis 1803, war er selbst ein Schüler des erfolgreichen Komponisten Ludwig van Beethoven.

An dem Zusammentreffen dieser beiden Musiker kann man eine gerade Linie musikalischer Lehrtätigkeit verfolgen, welche bis zu unserem Artist in Blog Residence, der Pianistin Margarita Höhenrieder, führt.

Von Beethoven zu Artur Schnabel

Denn der Beethoven-Schüler Carl Czerny wurde selbst ein gefragter Komponist, Musikpädagoge und Pianist. Carl Czerny unterrichtete ab 1841 in Wien den jungen Pianisten Teodor Leszetycki. Dieser hatte bereits mit elf Jahren in Lemberg, mit einem Konzert seines späteren Lehrers Carl Czerny, als Pianist debütiert. Nach einer Professur in Klavierspiel am Konservatorium in St, Petersburg kehrte Teodor Leszetycki 1878 nach Wien zurück. Dort unterrichtete er ab 1888 den elfjährigen Artur Schnabel. Nach einigen Jahren Unterricht ging Artur Schnabel nach Berlin, wo er später Professor an der Musikhochschule wurde. Internationale Beachtung erlangte er durch die Aufführung des Tripelkonzerts C-Dur op.56 von Ludwig van Beethoven mit dem Geiger Karl Klingler, dem Cellisten Arthur Williams und den Berliner Philharmonikern und die Aufführung und Einspielung sämtlicher Sonaten von Beethoven.

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