Im Interview: Jun Hee An, Violine I

Jun Hee An mit Mister, Foto: M42

Jun Hee An mit Mister, Foto: M42

Wann wusstest Du, dass Du Violine studieren möchtest?

Ich habe mit 8 Jahren begonnen Geige zu spielen, mit 13 folgte das Studium. Das ist für Südkorea sehr spät. Viele Kinder fangen mit 4 oder 5 Jahren an zu spielen und studieren mit acht Jahren bei einem Professor. Mit 14 Jahren ging ich für zwei Jahre zum Studium nach Amerika. Damals habe ich zum ersten Mal in einem Orchester gespielt und mir gewünscht dies immer tun zu können.

Wolltest Du gleich in einem Kammerorchester spielen?

Nein. Ich habe zuvor immer in großen Orchestern gespielt. Aber dann hat es mit dem Probespiel hier geklappt. Hier ist jeder Solist und muss ganz genau zuhören. Im großen Orchester kann man schon mal unter den vielen Geigen verschwinden. Ich finde es viel schöner im Kammerorchester ‒ hier ist jeder Einzelne wichtig. Continue reading

„Spielen Sie meine Werke“ – Die Geschichte einer kreativen Freundschaft

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister  Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Als die Pianistin Margarita Höhenrieder den Komponisten Harald Genzmer kurz vor seinem Tod besuchte, verband die beiden bereits eine jahrelange Freundschaft. Während dieser letzten Begegnung fragte sie den Komponisten, ob sie etwas für ihn tun könne. Er antwortete einfach: „Spielen Sie meine Werke!“ Harald Genzmer starb 2007. Im Jahr 2008 fand die Uraufführung seines letzten Werkes „Wie ein Traum am Rande der Unendlichkeit“, eine Fantasie des Abschieds, in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia statt, eingespielt von Margarita Höhenrieder und Emmanuel Pahud. Genzmer widmete der Pianistin dieses letzte große Werk, die Originalpartitur ist in ihrem Besitz. Continue reading

Im Interview: Satoko Koike, Stimmführerin Violine II

Satoko Koike, Fotostudio M42

Satoko Koike, Fotostudio M42

Du bist erst seit Februar im WKO. Hast Du Dich hier schnell eingelebt?

Ich kannte das Orchester bereits zuvor, da ich schon oft als Aushilfe gespielt habe. Deswegen war es für mich sehr angenehm und einfach anzufangen.

Wie bist Du zur Violine gekommen und was hat Dich nach Deutschland gezogen?

In Japan ist klassische Musik sehr beliebt. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich meine Mutter zum Geigenrecital mitgenommen und da habe ich gesagt: „Dieses Instrument möchte ich spielen“. Ich habe in Japan studiert und hatte eigentlich nicht vor, nach Deutschland zu kommen. Aber bei einem Meisterkurs in Italien hat mir der Lehrer gesagt, dass ich unbedingt nach Deutschland gehen müsse, da meine Art des Musizierens dorthin passt.

Du hast auch in Sinfonieorchestern gespielt. Was ist das Besondere am Kammerorchester?

Ich liebe beides. Das Repertoire bei einem Sinfonieorchester ist sehr groß, und weil es so viele Instrumenten gibt, kann man manchmal eigene Töne nicht hören. Beim Kammerorchester ist das ganz anders: Hier geht es um jeden einzelnen Musiker und man hört jeden Ton.
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Frank Peter Zimmermann im WKO Talk

Der Violinist Frank Peter Zimmermann ist der erste Gast in unserer Reihe WKO Talk. Gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester spielte er im Februar 2014 Werke für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Video sind Ausschnitte aus dem Konzert im Saal Is Sanat in Istanbul zu sehen.

Himmlische Klänge aus einem zerbrechlichen Instrument

Foto: Glasduo

Foto: Glasduo

Beim diesjährigen CHILL OUT Konzert der Reihe „redblue meets Klassik“präsentiert das Württembergische Kammerorchester Heilbronn ein außergewöhnliches Instrument: Die derzeit größte professionell gespielte Glasharfe der Welt. Aber was genau ist eigentlich eine Glasharfe?

Die Glasharfe besteht aus mehreren, in Reihen angeordneten, Trinkgläsern mit Stiel. Anders als bei Klangversuchen in Rotweinlaune zuhause werden professionelle Glasharfen nicht mit Wasser gefüllt. Die Gläser sind durch ihre Größe und ihren Schliff bereits gestimmt, so dass auf eine aufwendige Stimmung des Instrumentes durch Einfüllen von unterschiedlichen Flüssigkeitsmengen verzichtet werden kann. Am 5. April kommen so 57 feingeschliffene Gläser, die ein Spiel über fast fünf Oktaven ermöglichen zum Einsatz. Continue reading

Was ist eigentlich ein Babykonzert? – Das Württembergische Kammerorchester für junge Familien

Babykonzert im redblue Heilbronn, Fotostudio M42

Babykonzert im redblue Heilbronn, Fotostudio M42

Rund zweihundert große Augenpaare blicken gespannt auf die Instrumente. Auf bunten Matten und Decken verteilt sitzen viele junge Familien mit ihren Babys auf dem Boden des Intersport-Veranstaltungscenters redblue in Heilbronn. Spielsachen und Wickeltaschen sind darauf verteilt. Vor dem Saal stauen sich die Kinderwägen. Gerade noch rechtzeitig greift ein junger Vater ein, bevor die kleine Hand in die Kontrabassaiten fasst.

Bereits zum sechsten Mal veranstaltet das Württembergische Kammerorchester Heilbronn am 10. März ein Babykonzert. Diese könnten eigentlich Konzerte für junge Familien heißen, denn das sind sie. Mit den Babykonzerten möchte das Württembergische Kammerorchester jungen Familien mit Babys unter einem Jahr den Besuch eines Konzertes mit klassischer Musik ermöglichen. Dabei ist natürlich einiges anders, als im Mietkonzert in der Harmonie.

Im Konzert ist (fast) alles erlaubt

Der Konzertbesuch mit Babys braucht vor allem Zeit, deshalb kommen die Eltern sehr frühzeitig. Häufig kommen auch Großeltern mit, welche die Uhrzeit am Vormittag und die lockere Atmosphäre schätzen. Auf Kuscheldecken und bunten Matten machen es sich die Zuhörer bequem, so dass die Babys gemütlich liegen, sitzen, gestillt werden, aber auch herumkrabbeln können. Auch Wickelplätze sind im redblue vorhanden, damit alle das Konzert genießen können und nachher nicht sofort nach Hause müssen.

Damit das Konzert für die jungen Besucher spannend bleibt, wählen Chefdirigent Ruben Gazarian und Intendant Christoph Becher Werke aus, die durch interessante, abwechslungsreiche Klänge und schöne Melodien auffallen. Dabei achten sie auch darauf, dass es für die kleinen, empfindlichen Ohren nicht zu laut wird. Die abwechslungsreichen Rhythmen der Werke sorgen immer wieder für ein Aufhorchen bei den kleinen Gästen, für die es häufig der erste Konzertbesuch ihres Lebens ist. Continue reading