Im Interview: Stefan Schubert, Violine II

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Auto und Flugzeugtechnikern, in der hobbymäßig viel musiziert wurde. Mit meinem Vater, der auch Geige spielt, und meiner Schwester am Klavier habe ich schon als Kind viel Kammermusik gemacht. Bis ich 16 war, fand ich segeln und surfen allerdings wesentlich interessanter als Geige zu üben. Eine neue Geigenlehrerin schaffte es zu guter Letzt doch noch, mich aufs Musikstudium vorzubereiten. Direkt nach dem Studium kam ich ins Württembergische Kammerorchester Heilbronn, welches ich aus Konzerten im Münchner Gasteig bereits gut kannte und schätzte.

Welche Einstellung hatten Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch?

Sie haben sich sicher Sorgen gemacht, ob ich das schaffe, mich aber immer nach Kräften unterstützt.

Gibt es eine Musik, die Dich bestärkt hat, Orchestermusiker zu werden?

Ich glaube, bei César Francks Violinsonate hat es mit 17 Jahren Klick gemacht. Ich fand es faszinierend, wie sich meine eigene Gefühlswelt in diesem Werk auf magische Weise widerspiegelte. Continue reading

Sonne über der Maimusik

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn zieht positive Bilanz des Festivals „Maimusik Heilbronn“

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – so lautete die Losung des Festivals „Maimusik Heilbronn“ des Württembergischen Kammerorchesters, das vom 14. bis zum 25. Mai 2014 erstmalig an verschiedenen Spielorten in Heilbronn stattgefunden hat. Drei Konzerte des Festivals waren unter freiem Himmel zu hören, was bei der nicht ganz eindeutigen Wetterlage im Wonnemonat Mai ein Wagnis darstellte. Auch das neue Konzept, dessen Idee es ist, unter dem Motto „Musizieren mit Freunden“ unterschiedlichste Gäste zum Festival einzuladen und an ungewöhnlichen Spielorten in der Stadt vorzustellen, ist aufgegangen – das Kammerorchester hat gewagt und: gewonnen.

Rund 6000 Besucher bei der Maimusik

Rund 6000 Besucher wurden mit den zehn Konzerten des Festivals erreicht und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn hat viele neue Freunde gewinnen können. „Es hat geklappt: Wir wollten in die Stadt gehen und mit Open-Air-Konzerten auch Personenkreise zum Hören klassischer Musik einladen, die üblicherweise nicht in unsere Konzerte kommen“, freut sich WKO-Intendant Dr. Christoph Becher. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, das Festival ist sehr gut angenommen worden – das ist ein toller Start in den Sommer“. Continue reading

200. Jubiläum der Kammermusikreihe in der Kreissparkasse

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Sie hat zwei Umbauten ihres Konzertsaales, drei Hausherren und zwei Chefdirigenten erlebt: Am 27. Mai 2014 feiern die Kreissparkasse Heilbronn und das Württembergische Kammerorchester das 200. Konzert ihrer gemeinsamen Kammermusikreihe.

Als im Winter 1990 die Idee entstand eine Kammermusikreihe ins Leben zu rufen, hatten nur wenige mit einer solch langen Kontinuität gerechnet. Georg Oyen, künstlerischer Koordinator der Reihe, Cellist im WKO und großer Kammermusikliebhaber, war stets davon überzeugt. und der Erfolg gibt ihm recht: Bereits zum ersten Konzert am 19. März 1991 kamen rund 250 Besucher. Der Zuspruch ist bis heute ungebrochen und die Heilbronner erweisen sich als wahre Kammermusikfreunde

624 Werke Kammermusik – ein kleine Statistik

Über die vergangenen 13 Jahre hat sich die Kammermusikreihe zu einer der erfolgreichsten ihrer Art in Deutschland entwickelt. 196 Musiker haben die Kammermusikkonzerte bestritten, viele, die als Gäste der WKO-Musiker mitwirkten kamen regelmäßig wieder. Den größten Teil der 937 Einzelengagements stellten dabei die Musiker des WKO. Gemeinsam haben sie 624 unterschiedliche Kammermusikwerke aufgeführt. Dabei reicht die stilistische Bandbreite vom Barock bis hin zu Gegenwart. Auch fünf Uraufführungen waren in der Kammermusikreihe zu hören. Continue reading

Im Interview: Georg Oyen, Violoncello

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Du leitest die Konzertreihe in der Glaspyramide der Kreissparkasse, in der die Musiker des WKO Kammermusik spielen. Wie wurde bei Dir die Begeisterung für die Kammermusik geweckt?

Ich war Solo-Cellist im Landesjugendorchester NRW, als unser Konzertmeister vorschlug, einen Quartettkurs zu besuchen. Das war 1980 und da hat es uns erwischt. Es folgten unvorstellbar intensive Studienjahre beim Amadeus-Quartett in Köln und beim Bartók-Quartett in Budapest.

Teamarbeit ohne Hierarchie ist eine Herausforderung. Auch in unserer WKO-Kammermusikreihe war das für viele Neuland, zumindest am Anfang. Aber es ist das, was mir persönlich immer die größte Freude bereitet hat. Es ist sehr spannend und es braucht viel Gruppendynamik, um am Ende zu einer Interpretation zu kommen, hinter der alle stehen, an der sich alle beteiligen können. Ich empfinde das immer noch als eine Art Virus, und der ist unheilbar. Aber er macht nicht krank, sondern gibt immer wieder neue Kraft. Continue reading

Im Interview: Götz Engelhardt, Viola

Götz Engelhardt, Foto: privat

Götz Engelhardt, Foto: privat

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich habe in Wien studiert und spielte anschließend zunächst im Festspielorchester “Arena di Verona”, danach ein halbes Jahr an der Mailänder Scala. Musiker im Kammerorchester zu sein, war aber schon als Student mein Traumziel. Die WKO-Stelle war im Orchesterheft ausgeschrieben und das Probespiel klappte.

Was unterscheidet die Probenarbeit im Festspielorchester „Arena di Verona“ und im WKO?

In Verona mussten die Musiker nachmittags unterrichten, die Proben waren vormittags und abends, auch wegen der Hitze. Es gab einen Monat Probephase, danach 3 Monate Vorstellungen in der Arena, immer am Abend. Tagsüber hatten wir frei, außer für Sonderkonzerte. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Konzert mit Luciano Pavarotti.

Die Qualität im Kammerorchester ist natürlich viel höher. Hier ist man als Einzelner viel mehr gefordert. Aber es war ein tolles Erlebnis in Italien mit den großen Sängern und dann an der Scala auch mit den großen Dirigenten zu musizieren. In Heilbronn kam ich aus dem dunklen Operngraben auf die Bühne hoch. Mit den großen Solisten in meist vollen Sälen zu spielen war und ist sehr aufregend und spannend. Continue reading

Im Interview: Aleksandar Maletic, Violine I

Aleksandar Maletic, Foto: Fotostudio M42

Aleksandar Maletic, Foto: Fotostudio M42

In der Reihe “Im Interview” stellen sich hier im Blog die Musiker des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn vor. Heute im Gespräch: Aleksandar Maletic, Violine I und Orchestervorstand

Wie bist Du zum Württembergischen Kammerorchester Heilbronn gekommen?

Die Begegnung mit einem Klavierprofessor aus Deutschland hat mich dazu bewegt, mein Studium in Deutschland fortzusetzen. So kam ich nach meinem abgeschlossenen Studium in Belgrad nach Trossingen an die Musikhochschule. Von Trossingen nach Heilbronn war es dann nicht mehr so weit.

Du bist in Jugoslawien, der heutigen Republik Serbien, geboren und dann nach Deutschland gekommen. Wo fühlst du dich zuhause?

In Heilbronn fühle ich mich zuhause – ganz besonders mit meiner Familie. Meine Wurzeln jedoch bleiben in Serbien, meiner Heimat.

Welchen Stellenwert hat die klassische Musik in der Republik Serbien?

Kultur spielt in Serbien eine große Rolle, vor allem das Theater. Dort war ich auch als Jugendlicher sehr häufig. Während meines Studiums habe ich selber viele Konzerte gespielt. Unter anderem auch bei großen Festivals in Mazedonien, Kroatien und Serbien. Aber die Musik, allgemein die Kultur, leidet natürlich auch in Serbien. Es fehlt auch hier an finanziellen Mitteln. In der Zeitung lese ich mit Freude, dass sich die Musikinstitutionen langsam wieder nach vorne arbeiten und die Zuhörerzahlen steigen. Heute bin ich sozusagen passiver Beobachter aus der Ferne. Continue reading

Spaziergang zu den Open-Air-Spielorten der „Maimusik Heilbronn“

Neckarstufen, hier findet das Open Air Konzert statt. Foto: WKO

Neckarstufen, hier findet das Open Air Konzert statt. Foto: WKO

Unser kleiner Stadtspaziergang zu den Open Air Spielstätten der „Maimusik“ beginnt auf der Brücke, über die die Kaiserstraße den Neckar überquert. Von hier schlendern wir auf der rechten Flussseite in Fließrichtung über das helle Pflaster der Unteren Neckarstraße. Das Rattern der Stadtbahnen und das Hupen der Taxen auf der Kaiserstraße entfernen sich nach und nach. Nach rund 250 Metern erreichen wir linkerhand die Neckarstufen.

Neckarstufen

An diesem ruhigen Ort finden am 21. Mai die Konzerte der Bläser des Trondheim Sinfonieorchesters statt. Durch das nahegelegene Wasserkraftwerk steht der Neckar fast still und der Himmel über Heilbronn spiegelt sich in ihm. Wir nehmen auf den Stufen Platz und lassen unseren Blick schweifen. Links neben der kleinen Seeterrasse tummeln sich die Enten im Gras. Am 21. Mai werden sie sich hier mit Schwan und Schildkröte aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ tummeln. Nicht ganz so herzlich könnte das Zusammentreffen mit Esel und den Löwe ausfallen. Hinter uns auf der grünen Wiese jagen Kinder einem Ball hinterher. Von den Gastronomiebetrieben der Unteren Neckarstraße weht ein leichter Geruch von Zwiebeln herüber, der zum schwäbischsten aller Gerichte gehört, den Maultaschen.

Während man das Kinderkonzert am 21. Mai sicherlich auch vom gegenüberliegenden Wasserspielplatz und vom Spielplatz neben dem Freizeitbad Soleo verfolgen können wird, wird das Konzert zum Sonnenuntergang wohl eher den ein oder anderen Biergartenbesucher erfreuen. Continue reading

Partnerschaft des WKO mit dem Trondheimer Sinfonieorchester

Bläser des Trondheimer Sinfonieorchesters, Foto: Christian Nilsen

Bläser des Trondheimer Sinfonieorchesters, Foto: Christian Nilsen

Musik ist grenzübergreifend. Über die Ländergrenzen hinweg, gehen das Württembergische Kammerorchester Heilbronn und das Trondheimer Sinfonieorchester eine Partnerschaft ein, die in der deutschen Orchesterlandschaft einzigartig ist. In der Vergangenheit waren regelmäßig einzelne Stimmgruppen oder Musiker im jeweils anderen Orchester zu Gast. Im Rahmen des Festivals „Maimusik Heilbronn“ (14.-25. Mai 2014)sind die Bläser des Trondheim Sinfonieorchesters in Heilbronn.

Sie spielen gemeinsam mit dem WKO im Eröffnungskonzert, in dem die Violinistin Veronika Eberle zu Gast sein wird. Sie ist Solistin im Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Seine Musik bildet den Schwerpunkt der aktuellen Saison des Württembergischen Kammerorchesters. Da darf das Violinkonzert nicht fehlen. Dieses Konzertprogramm geht anschließend auf eine Tournee nach Ansbach, Ludwigsburg und Augsburg. Continue reading

Himmlische Klänge aus einem zerbrechlichen Instrument

Foto: Glasduo

Foto: Glasduo

Beim diesjährigen CHILL OUT Konzert der Reihe „redblue meets Klassik“präsentiert das Württembergische Kammerorchester Heilbronn ein außergewöhnliches Instrument: Die derzeit größte professionell gespielte Glasharfe der Welt. Aber was genau ist eigentlich eine Glasharfe?

Die Glasharfe besteht aus mehreren, in Reihen angeordneten, Trinkgläsern mit Stiel. Anders als bei Klangversuchen in Rotweinlaune zuhause werden professionelle Glasharfen nicht mit Wasser gefüllt. Die Gläser sind durch ihre Größe und ihren Schliff bereits gestimmt, so dass auf eine aufwendige Stimmung des Instrumentes durch Einfüllen von unterschiedlichen Flüssigkeitsmengen verzichtet werden kann. Am 5. April kommen so 57 feingeschliffene Gläser, die ein Spiel über fast fünf Oktaven ermöglichen zum Einsatz. Continue reading

Interview mit der Pianistin Margarita Höhenrieder zu Beethovens Todestag

Ein Teil des Heiligenstädter Testament in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Ein Teil des Heiligenstädter Testaments in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Anlässlich des 187. Todestages von Ludwig van Beethoven am heutigen 26. März sprachen wir mit Margarita Höhenrieder über seine Wirkung.

Welches Werk von Beethoven haben Sie zuletzt gespielt?

Das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in Es Dur,op.16, ein wunderbares Jugendwerk von Beethoven, es wurde wahrscheinlich 1796/97 komponiert.

Vor kurzem haben wir im Blog ihre künstlerbiografische Verbindung zu Ludwig van Beethoven vorgestellt. Was bedeutet Ihnen diese Verbindung?

Für mich sind Authentizität und Tradition grundsächlich sehr wichtig und durch diese Verbindung zu Beethoven als seine “Urururenkelschülerin” finde ich vielleicht überzeugende Antworten auf manche interpretatorische Fragen in seinen Werken.

Beethoven war ein ein ganz herausragender Pianist und Improvisator. Seine Klavierkompositionen – vor allem die Sonaten, Variationen und Klavierkonzerte – sind auf der emotionalen, intellektuellen und auch rein pianistischen Ebene eine einzigartige Herausforderung für jeden Pianisten. Man muss nicht nur der geistigen Dimension der Komposition gerecht werden, sondern immer auch den Vergleich mit der großen Zahl begnadeter Pianistinnen und Pianisten in Vergangenheit und Gegenwart bestehen. Continue reading