„Spielen Sie meine Werke“ – Die Geschichte einer kreativen Freundschaft

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister  Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Margarita Höhenrieder, Jörg Faerber, Guy Touvron und Tonmeister Bernhard Hankehören sich die Einspielung des Doppelkonzertes für Klavier und Trompete von Harald Genzmer an.

Als die Pianistin Margarita Höhenrieder den Komponisten Harald Genzmer kurz vor seinem Tod besuchte, verband die beiden bereits eine jahrelange Freundschaft. Während dieser letzten Begegnung fragte sie den Komponisten, ob sie etwas für ihn tun könne. Er antwortete einfach: „Spielen Sie meine Werke!“ Harald Genzmer starb 2007. Im Jahr 2008 fand die Uraufführung seines letzten Werkes „Wie ein Traum am Rande der Unendlichkeit“, eine Fantasie des Abschieds, in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia statt, eingespielt von Margarita Höhenrieder und Emmanuel Pahud. Genzmer widmete der Pianistin dieses letzte große Werk, die Originalpartitur ist in ihrem Besitz.

Die Musik als Leidenschaft

Mittlerweile ist es 30 Jahre her, dass Margarita Höhenrieder dem Komponisten im Hause ihres damaligen Lehrers Ludwig Hoffmann begegnete. Bis heute ist sie von der Vitalität und Energie Harald Genzmers beeindruckt. „Er hatte ein unglaubliches Temperament, Witz und Charme“, berichtet Margarita Höhenrieder noch heute mit einem Strahlen im Gesicht. Sie war sofort von seiner Leidenschaft gefangen und teilte mit ihm die Freude an seiner Musik. Während bei seinem Lehrer Paul Hindemith die Musik von der Harmonik ausging, war es bei Harald Genzmer der Klang. Ein Unterschied, auf den er die damals noch junge Pianistin immer wieder hinwies. Seine Kompositionen sind virtuos und effektvoll auf ein Instrument bezogen. An einer äußerst temperamentvollen Darbietung seiner Werke konnte er sich erfreuen wie ein Kind. Seit dieser ersten Begegnung verloren sie sich nicht mehr aus den Augen. Die Beiden verband eine lebenslange sich gegenseitig inspirierende aber auch private Freundschaft. Margarita Höhenrieder besuchte den Komponisten regelmäßig in seinem Hause und war auch mit seiner Frau Gisela befreundet.

Ein Konzert mit persönlicher Widmung

1999 führte Margarita Höhenrieder gemeinsam mit dem Trompeter Guy Touvron und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn das Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester von Dmitri Schostakowitsch in Weilburg auf. Touvron und Höhenrieder musizierten mit Begeisterung zusammen und so kam es, dass die Pianistin Harald Genzmer fragte, ob er sich ein Konzert in der gleichen Besetzung wie bei Schostakowitsch vorstellen könne. In dieser Komposition sollten jedoch Klavier und Trompete einen gleich anspruchsvollen Part innehaben. Wie nicht anders zu vermuten, Harald Genzmer — mittlerweile 90 Jahre alt! — war von der Idee angetan. Nur drei Wochen später überreichte er freudestrahlend der überraschten Pianistin das Werk mit einer persönlichen Widmung. Die Ersteinspielung auf CD folgte bereits kurze Zeit später mit Margarita Höhenrieder am Klavier, Guy Touvron, Trompete, und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter seinem damaligen Chefdirigenten Jörg Faerber. Harald Genzmer war begeistert!

Rückbesinnung

Harald Genzmer war stets ein guter Zuhörer, im positiven Sinne neugierig. Noch kurz vor seinem Tod interessierte er sich für die künstlerischen Pläne Margarita Höhenrieders, die gerade an der Uraufführung der „Fantasie des Abschieds“ mit Emmanuel Pahud arbeitete. Seit Februar diesen Jahres ist Margarita Höhenrieder „Artist in Blog Residence“ des WKO. Für die erfolgreiche Pianistin sicher eine Auszeichnung, die auch Erinnerungen an die gemeinsame Ersteinspielung von Harald Genzmers Werk „Wie ein Traum am Rande der Unendlichkeit“ wachruft.

Autorin: Ulrike Schmid

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