Interview mit der Pianistin Margarita Höhenrieder zu Beethovens Todestag

Ein Teil des Heiligenstädter Testament in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Ein Teil des Heiligenstädter Testaments in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Anlässlich des 187. Todestages von Ludwig van Beethoven am heutigen 26. März sprachen wir mit Margarita Höhenrieder über seine Wirkung.

Welches Werk von Beethoven haben Sie zuletzt gespielt?

Das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in Es Dur,op.16, ein wunderbares Jugendwerk von Beethoven, es wurde wahrscheinlich 1796/97 komponiert.

Vor kurzem haben wir im Blog ihre künstlerbiografische Verbindung zu Ludwig van Beethoven vorgestellt. Was bedeutet Ihnen diese Verbindung?

Für mich sind Authentizität und Tradition grundsächlich sehr wichtig und durch diese Verbindung zu Beethoven als seine “Urururenkelschülerin” finde ich vielleicht überzeugende Antworten auf manche interpretatorische Fragen in seinen Werken.

Beethoven war ein ein ganz herausragender Pianist und Improvisator. Seine Klavierkompositionen – vor allem die Sonaten, Variationen und Klavierkonzerte – sind auf der emotionalen, intellektuellen und auch rein pianistischen Ebene eine einzigartige Herausforderung für jeden Pianisten. Man muss nicht nur der geistigen Dimension der Komposition gerecht werden, sondern immer auch den Vergleich mit der großen Zahl begnadeter Pianistinnen und Pianisten in Vergangenheit und Gegenwart bestehen.

Was ist für Sie das Faszinierende an Beethovens Musik?

Seine starke, bezwingende Schöpferkraft inmitten seines Ringens um Vollkommenheit ist für mich in den meisten Werken spürbar und faszinierend – auch sein Sehnen nach Brüderlichkeit und seine fast übermächtige Liebe zur Natur . “Das moralische Gesetz in mir, der gestirnte Himmel über mir” – diese Worte von Immanuel Kant waren sein Leitspruch sein Leben lang. Alle Komponenten innerhalb jeder Komposition scheinen bei ihm in vollkommener Ausgewogenheit aufeinander bezogen zu sein: Der Rhythmus, die Melodie, die Harmonik, die Polyphonie. Beethoven ist einen absolut neuen, weit in die Zukunft weisenden Weg gegangen.

Dass er seine letzten großen Werke wie die späten Sinfonien, Sonaten, Konzerte, Streichquartette oder die Missa Solemnis in völliger Taubheit komponiert hat, ist sicher das Unbegreiflichste in seiner Musik!

Und gibt es ein Werk von Beethoven, welches ihnen ganz besonders im Ohr bleibt?

Meistens das, welches ich gerade übe, aber besonders vielleicht doch die ” Eroica ” oder etwa das berühmte Menuett aus dem Bläser Septett in Es Dur,op.20, von dem es übrigens auch eine Trio Version gibt für Klavier,Klarinette und Violoncello.

Nun ist Ludwig van Beethoven heute vor 187 Jahren gestorben. Nehmen wir mal an, er würde noch leben. Wie könnte seine Musik heute klingen?

Das ist schwer zu beantworten. Sein Leben wurde damals stark beeinflusst durch die Ideale der französische Revolution .Man kann wahrscheinlich davon aus gehen ,dass Beethoven in der heutigen Zeit in seinen Kompositionen auch gewisse Formen, Prinzipien gesprengt hätte und dass er ebenfalls als Herold einer neuen Stilrichtung seinen eigenen Weg gegangen wäre. Das Thema Brüderlichkeit, zum Beispiel auch als emotionale Waffe gegen den Terrorismus, und die Liebe zur Natur kämen vermutlich auch in seinen heutigen Werken zum Ausdruck .Vielleicht hätte er auch in unserer Zeit – natürlich mit anderen kompositorischen Mitteln – die “Ode an die Freude” komponiert-und vielleicht auch eine große Trauer Sinfonie zur Erinnerung an den 11.September.

Margarita Höhenrieder ist mit einer Aufnahme von Beethovens 1. Klavierkonzert in unserem Youtube-Kanal zu sehen.

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