Im Interview: Stefan Schubert, Violine II

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Auto und Flugzeugtechnikern, in der hobbymäßig viel musiziert wurde. Mit meinem Vater, der auch Geige spielt, und meiner Schwester am Klavier habe ich schon als Kind viel Kammermusik gemacht. Bis ich 16 war, fand ich segeln und surfen allerdings wesentlich interessanter als Geige zu üben. Eine neue Geigenlehrerin schaffte es zu guter Letzt doch noch, mich aufs Musikstudium vorzubereiten. Direkt nach dem Studium kam ich ins Württembergische Kammerorchester Heilbronn, welches ich aus Konzerten im Münchner Gasteig bereits gut kannte und schätzte.

Welche Einstellung hatten Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch?

Sie haben sich sicher Sorgen gemacht, ob ich das schaffe, mich aber immer nach Kräften unterstützt.

Gibt es eine Musik, die Dich bestärkt hat, Orchestermusiker zu werden?

Ich glaube, bei César Francks Violinsonate hat es mit 17 Jahren Klick gemacht. Ich fand es faszinierend, wie sich meine eigene Gefühlswelt in diesem Werk auf magische Weise widerspiegelte.

Du spielst im Schubert-Quartett. Was bedeutet das Musizieren im Ensemble für Dich?

Während des Studiums habe ich hauptsächlich Klavierkammermusik und Sololiteratur gespielt. Zum Streichquartett kam ich erst hier beim WKO durch den musikalischen Background einiger meiner Kollegen. Das Quartettspielen macht mir so viel Spaß, da Erfolg nur aus einer guten Teamleistung entsteht. Im Konzert ist man komplett aufeinander angewiesen und muss schnell und flexibel reagieren können. Für mich persönlich war es schön, diese für mich wertvolle Erfahrung an meine beiden Kinder Benedikt und Adriana weitergeben zu können, die im Jahre 2011 in der Kammermusikdisziplin „Streichtrio“ einen ersten Bundespreis bei „Jugend Musiziert“ gewannen.

Im WKO bist Du für die Koordination der Aushilfen zuständig. Was bedeutet das?

Das ist ein völlig anderer Bereich, hier sind meine Instrumente eher Telefon und Computer. Es geht darum, Musiker zu engagieren, die unser Streichorchester gut ergänzen. Als Geiger profitiere ich direkt selbst, wenn hinter mir gute Bläser spielen, und das ist für mich eine gute Motivation. Starke Nerven bei kurzfristigen Absagen und eine gute Datenbank braucht man aber schon. In ihr stehen derzeit 2400 Musiker, darunter z. B. 450 Geiger und Geigerinnen. In den letzten Jahren, habe ich pro Saison ca. 600 Musiker fürs WKO engagiert.

Wie findet man die passende Aushilfe?

Ich schreibe für jedes Projekt einen Besetzungsplan, mit dem Bedarf an Aushilfen. Wichtig für die Auswahl der Musiker sind auf der einen Seite die Wünsche unserer Stimmgruppen und die von Herrn Gazarian und auf der anderen die Information, wer welche Werke bei uns schon gespielt hat.

Wie ist das Verhältnis zum Heilbronner Publikum?

Ich sehe mich, obwohl ich gebürtiger Münchner bin, mittlerweile fast schon als Heilbronner Bürger. Unsere Stadt ist überschaubar, zugleich aber auch sehr musikinteressiert und das gefällt mir. Ein Spitzenorchester in der eigenen Stadt zu haben, das ist nicht nur das Recht der Großstädte. Unser gemeinsamer Anspruch ist ja, ein solches zu bleiben, und damit weiterhin als kultureller Exportartikel Heilbronns unterwegs zu sein. Ich bin froh, meinen Teil dazu beitragen zu dürfen.

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