Im Interview: Satoko Koike, Stimmführerin Violine II

Satoko Koike, Fotostudio M42

Satoko Koike, Fotostudio M42

Du bist erst seit Februar im WKO. Hast Du Dich hier schnell eingelebt?

Ich kannte das Orchester bereits zuvor, da ich schon oft als Aushilfe gespielt habe. Deswegen war es für mich sehr angenehm und einfach anzufangen.

Wie bist Du zur Violine gekommen und was hat Dich nach Deutschland gezogen?

In Japan ist klassische Musik sehr beliebt. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich meine Mutter zum Geigenrecital mitgenommen und da habe ich gesagt: „Dieses Instrument möchte ich spielen“. Ich habe in Japan studiert und hatte eigentlich nicht vor, nach Deutschland zu kommen. Aber bei einem Meisterkurs in Italien hat mir der Lehrer gesagt, dass ich unbedingt nach Deutschland gehen müsse, da meine Art des Musizierens dorthin passt.

Du hast auch in Sinfonieorchestern gespielt. Was ist das Besondere am Kammerorchester?

Ich liebe beides. Das Repertoire bei einem Sinfonieorchester ist sehr groß, und weil es so viele Instrumenten gibt, kann man manchmal eigene Töne nicht hören. Beim Kammerorchester ist das ganz anders: Hier geht es um jeden einzelnen Musiker und man hört jeden Ton.

Gibt es Musik, die Dir ganz besonders im Ohr bleibt?

Oh ja, zum Beispiel die Serenaden von Tschaikowsky und Dvořák: unglaublich schöne Musik. Aber mein Lieblingsstück ist die Kammersinfonie von Schostakowitsch nach seinem 8. Streichquartett. Die ist genial geschrieben. Man fühlt die Kriegszeiten an die sie erinnert. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.

Gibt es auch klassische Musik von japanischen Komponisten?

Sehr viele. Der berühmteste ist wohl Tōru Takemitsu.

Gibt es einen Künstler (tot oder lebend) den du gerne einmal kennenlernen würdest?

Brahms hätte ich gerne kennen gelernt. Weil ich seine Stücke sehr sehr mag.
Für mich ist wichtig zu wissen, wie der Komponist gelebt hat, welche Beziehungen er hatte. Ich schaue mir eine Fotografie an und fühle mich in die Zeit versetzt.

Ist das Heilbronner Publikum anders als ein japanisches?

Manche Kollegen sagen, dass das Publikum in Japan jünger sei, aber ich bin nicht so sicher. Vielleicht kommen dort etwas mehr Frauen in die Konzerte. Das Publikum in Heilbronn ist sehr nett. Viele Besucher sehe ich immer wieder, sie kommen in fast alle Konzerte.

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