Im Interview: Götz Engelhardt, Viola

Götz Engelhardt, Foto: privat

Götz Engelhardt, Foto: privat

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich habe in Wien studiert und spielte anschließend zunächst im Festspielorchester “Arena di Verona”, danach ein halbes Jahr an der Mailänder Scala. Musiker im Kammerorchester zu sein, war aber schon als Student mein Traumziel. Die WKO-Stelle war im Orchesterheft ausgeschrieben und das Probespiel klappte.

Was unterscheidet die Probenarbeit im Festspielorchester „Arena di Verona“ und im WKO?

In Verona mussten die Musiker nachmittags unterrichten, die Proben waren vormittags und abends, auch wegen der Hitze. Es gab einen Monat Probephase, danach 3 Monate Vorstellungen in der Arena, immer am Abend. Tagsüber hatten wir frei, außer für Sonderkonzerte. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Konzert mit Luciano Pavarotti.

Die Qualität im Kammerorchester ist natürlich viel höher. Hier ist man als Einzelner viel mehr gefordert. Aber es war ein tolles Erlebnis in Italien mit den großen Sängern und dann an der Scala auch mit den großen Dirigenten zu musizieren. In Heilbronn kam ich aus dem dunklen Operngraben auf die Bühne hoch. Mit den großen Solisten in meist vollen Sälen zu spielen war und ist sehr aufregend und spannend.

Auch Du hast das Instrument gewechselt, von der Violine zur Bratsche. Wie kam es dazu?

Ich habe erst mit 11 Jahren mit Violine angefangen im Gruppenunterricht am Gymnasium. In der Schule war ich nicht durch besonders gute Leistungen aufgefallen. Mit der Geige habe ich aber bald eine Nische für mich gefunden. Üben war mir wichtiger als Hausaufgaben. Mit 15 Jahren wurde ich als Jungstudent in die Hochschule für Musik in Würzburg aufgenommen. Der Professor war Bratschist. Der Wechsel auf die Bratsche deshalb naheliegend.

Spielst Du noch weitere Instrumente?

Vor 2 Jahren kaufte ich mir eine neu gebaute Geige aus Polen, auf der ich sehr gerne spiele, u.a. auch in einem Klaviertrio mit Musikern der Musikschule in Sinsheim. Den Dudelsack entdeckte ich auf einer Party. Da ging die Tür auf und es dröhnte nur noch. Der Mann war sofort Mittelpunkt des Abends. Das musste ich also unbedingt auch lernen. Seitdem brauche ich für Geburtstage und Hochzeiten keine Geschenke mehr kaufen.

Gibt es einen Künstler oder Komponisten, dem Du gern einmal begegnen würdest?

Immer wieder beeindrucken mich die Aufnahmen des französischen Geigers Christian Ferras. Er litt wohl unter Depressionen und an der Alkoholkrankheit und ging freiwillig aus dem Leben. Ich bin immer wieder fasziniert von seiner Musik und gleichsam erschüttert und traurig, wenn ich an sein tragisches Ende denke. Ich begegne ihm immer wieder auf YouTube in seinen Filmen, wäre ihm aber auch gerne einmal im richtigen Leben begegnet.

Was ist die Musik, bei der Du sagst „da fühle ich mich zuhause“?

Nach nun bald 28 Jahren im Kammerorchester fühle ich mich natürlich in dieser Literatur auch mehr zuhause als in anderer. Die Arbeit unter Jörg Faerber war in dieser Hinsicht höchst ertragreich. Eigentlich habe ich von ihm mehr gelernt als im Musikstudium. Gerade durch seine Herangehensweise an Barock und Klassik. Mit Ruben Gazarian kam dann ein breit gefächertes Repertoire. Richtig erfrischend. Eine große Fülle und sehr inspirierend. Ich möchte beides nicht missen. Bin nun aber auch gespannt auf die Zeit nach Gazarian, der bis 2018 unser Chefdirigent sein wird. Muss man dann wieder in ein neues musikalisches Zuhause umziehen? Von mir aus gerne.

Wie ist es nach Tourneen und Gastspielen wieder nach Heilbronn zu kommen. Ist es ein Gefühl von „zuhause“ vor dem Heilbronner Publikum zu spielen?

Ich gehe bei Konzerten sehr gerne ins Foyer und beobachte das Publikum, das mache ich auch auf Tourneen. Vor einigen Monaten waren wir z.B. in Wilhelmshaven, mussten dafür ziemlich weit fahren und ich war irgendwie müde. Aber dann erlebte ich das Publikum so aufgeschlossen und begeistert in Rückmeldungen und auch spürbar im Applaus. Das war für mich eine Lehre, wie wichtig die gegenseitige Interaktion zwischen Publikum und Musikern ist. Und das hat nichts mit der Wichtigkeit der Spielorte zu tun.

Hier in Heilbronn hat man mit den Jahren gute persönliche Kontakte entwickelt und kann sich mit vielen Besuchern austauschen. Keine Frage, hier fühlen wir uns zuhause. Für unser Heilbronner Publikum könnte man sogar unseren Slogan umdrehen: „Die Wurzeln in der Welt, Heilbronn beflügeln.“

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