Das Konzert und die Sinfonie, ein Streitgespräch

Foto: WKO

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Einst trafen sich das Konzert und die Sinfonie im Foyer der Harmonie. Mit vier großen Sätzen ist die Sinfonie auf die Bühne gesprungen. Das Konzert macht es sich eher zurückhaltend mit einer leisen Eröffnung auf der Bühne bequem.

Exposition

„Bei Dir drängt sich immer einer in den Vordergrund“, poltert die Sinfonie mit einem Tutti-Auftakt. „Ich bin froh, dass bei mir brillante Solisten zeigen können, wie sie ihr Instrument beherrschen. Und dennoch zählt ganz besonders das intensive Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester“, erwidert das Konzert. Es fährt fort: „Ich erinnere mich da zum Beispiel an die 30-jährige Verbundenheit des WKO mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann. Da spürt man sofort wie Orchester und Solist miteinander agieren“.

Durchführung

Die Sinfonie zeigt sich etwas gekränkt: „Bei mir liegt der Fokus ganz auf dem Orchester. In der Sinfonie achten alle auf das Orchester und die Musiker sind die Stars“. „Aber man sieht das häufig nicht“, entgegnet das Konzert, „bei mir ist sofort klar, wer der Star ist, denn bei Dir tragen alle die gleichen schwarzen Kleider, der Solist sorgt häufig für Farbe auf der Bühne“. Die Sinfonie ist verwundert, steht doch bei ihr die Musik selbst im Mittelpunkt und bisher fand sie die schwarzen Fracks und Kleider auch ungemein festlich.

„Du bildest Dir immer ein, Dich mit tollen Namen schmücken zu müssen“, legt das Konzert nach. „Die Pastorale, die mit dem Paukenschlag, Sinfonie der Tausend. Das wirkt schon sehr überheblich“. „Die Namen habe ich mir meistens nicht selbst gegeben“, so die Sinfonie, „die Konzertbesucher und Musikwissenschaftler haben mir die Namen verliehen. Damit drücken Sie aus, wie einzigartig wir alle sind. Und Du, Konzert, Du schmückst Dich mit großen Namen bei den Solisten. Häufig kommen doch die Besucher nur, weil berühmte Solisten spielen“. „Das mag manchmal stimmen“, so das Konzert, „und so schaffen wir es auch immer wieder neue Menschen für klassische Musik zu begeistern. Ist ein Sinfoniekonzert nicht auch schneller verkauft, wenn Beethoven zu hören ist?“

Seitensatz

Das Konzert eröffnet einen philosophischen Seitensatz: „Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass wir beide nicht nur ein Musikstück bezeichnen? Dein Name dient dazu eine Orchestergattung zu beschreiben. Das Sinfonieorchester spielt natürlich nicht nur Sinfonien aber ist mit seiner Besetzung dazu geeignet gerade auch Werke aus dem 18. / 19. und 20. Jahrhundert zu spielen. Mein Name hingegen steht sogar stellvertretend für die ganze Veranstaltung, bei der wir uns treffen um Musik zu hören“. „Ja, mein Name wird international verstanden, egal ob Sinfonie oder Symphonie, und er steht für das harmonische Zusammenspiel“, erfreut sich die Sinfonie. Einen Triller kann sich das Konzert dann doch nicht verkneifen: „Und jede Sinfonie wird immer in einem Konzert gespielt“.

Reprise

„Letztlich ist es doch das, was die Besucher wollen,“, greift die Sinfonie den Gedanken auf, „einen Abend mit wunderbarer Musik verbringen“. Da pflichtet ihm das Konzert bei: „Vielleicht sollten wir uns zusammentun. Einen ganzen Abend füllt keiner von uns beiden, gemeinsam können wir jedoch ein wunderbares Programm gestalten.“ „Und Solist und Orchester sind die Stars“, ergänzt die Sinfonie.

In unserem Youtube-Kanal gibt es ein Konzert in voller Länge zu hören und zu sehen. Das 1. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven mit Margarita Höhenrieder als Solistin.

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