Relâche – Das Skandalballet in Heilbronn

Foto: WKO

Foto: WKO

Von Erik Satie war das Pariser Publikum 1924 bereits einiges gewohnt. So kamen die Menschen zur Vorstellung ins Théâtre des Champs-Élysées, obwohl auf den Plakaten groß prangte „Relâche“, was im Französischen ungefähr soviel bedeutet wie „Vorstellung fällt aus“. Eigentlich ist „Relâche“ nur der Titel von Saties neuem Ballett, doch bewahrheitete sich die Ankündigung dann tatsächlich: Die Premiere musste ausfallen, da der Choreograf Jean Börlin erkrankt war. Am 4. Dezember jedoch feierte das Ballett „Relâche“ von Francis Picabia mit der Musik von Erik Satie Premiere.

Ein Ballett?

Was das Publikum an diesem Donnerstag zu sehen bekam, hatte jedoch wenig mit Ballett, wie sie es zu sehen gewohnt waren, zu tun. Eröffnet wurde das Ballett von einer Filmprojektion auf den noch geschlossenen Vorhang. Als sich dieser schließlich hebt, ist das Publikum von zahllosen Scheinwerfern geblendet, die in das Publikum gerichtet sind. Nachdem Komponist und Choreograf nach einigen provokanten Sprüchen die Bühne verlassen haben, tritt eine Dame auf. Sie entkleidet sich bis auf den Pyjama und beginnt die Bühne zu betrachten. Später kommt noch ein männlicher Protagonist hinzu und es werden kleine, zusammenhanglose, Alltagsszenen auf der Bühne entwickelt. Nach einer Pause, in der abermals ein Film vorgeführt wird, setzt sich der zweite Akt in gleicher Manier fort. Continue reading

Himmlische Klänge aus einem zerbrechlichen Instrument

Foto: Glasduo

Foto: Glasduo

Beim diesjährigen CHILL OUT Konzert der Reihe „redblue meets Klassik“präsentiert das Württembergische Kammerorchester Heilbronn ein außergewöhnliches Instrument: Die derzeit größte professionell gespielte Glasharfe der Welt. Aber was genau ist eigentlich eine Glasharfe?

Die Glasharfe besteht aus mehreren, in Reihen angeordneten, Trinkgläsern mit Stiel. Anders als bei Klangversuchen in Rotweinlaune zuhause werden professionelle Glasharfen nicht mit Wasser gefüllt. Die Gläser sind durch ihre Größe und ihren Schliff bereits gestimmt, so dass auf eine aufwendige Stimmung des Instrumentes durch Einfüllen von unterschiedlichen Flüssigkeitsmengen verzichtet werden kann. Am 5. April kommen so 57 feingeschliffene Gläser, die ein Spiel über fast fünf Oktaven ermöglichen zum Einsatz. Continue reading

Interview mit der Pianistin Margarita Höhenrieder zu Beethovens Todestag

Ein Teil des Heiligenstädter Testament in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Ein Teil des Heiligenstädter Testaments in welchem Ludwig van Beethoven seine Verzweiflung über die fortschreitende Ertaubung und den nahe geglaubten Tod ausdrückt, Wikimedia Commons

Anlässlich des 187. Todestages von Ludwig van Beethoven am heutigen 26. März sprachen wir mit Margarita Höhenrieder über seine Wirkung.

Welches Werk von Beethoven haben Sie zuletzt gespielt?

Das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in Es Dur,op.16, ein wunderbares Jugendwerk von Beethoven, es wurde wahrscheinlich 1796/97 komponiert.

Vor kurzem haben wir im Blog ihre künstlerbiografische Verbindung zu Ludwig van Beethoven vorgestellt. Was bedeutet Ihnen diese Verbindung?

Für mich sind Authentizität und Tradition grundsächlich sehr wichtig und durch diese Verbindung zu Beethoven als seine “Urururenkelschülerin” finde ich vielleicht überzeugende Antworten auf manche interpretatorische Fragen in seinen Werken.

Beethoven war ein ein ganz herausragender Pianist und Improvisator. Seine Klavierkompositionen – vor allem die Sonaten, Variationen und Klavierkonzerte – sind auf der emotionalen, intellektuellen und auch rein pianistischen Ebene eine einzigartige Herausforderung für jeden Pianisten. Man muss nicht nur der geistigen Dimension der Komposition gerecht werden, sondern immer auch den Vergleich mit der großen Zahl begnadeter Pianistinnen und Pianisten in Vergangenheit und Gegenwart bestehen. Continue reading

Projekt Lebensmusik steht kurz vor der Uraufführung

Textprobe im Projekt Lebensmusik, Fotostudio M42

Textprobe im Projekt Lebensmusik, Fotostudio M42

Eine Woche vor der Uraufführung hat im Projekt Lebensmusik die Probenarbeit wieder begonnen. In der ersten Phase im Februar hatten die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse der Dammrealschule Erfahrungen aus der Migrationsgeschichte ihrer Eltern und Großeltern gesammelt. Der Komponist Marius Ungureanu hat nun aus diesen Eindrücken eine Komposition geschaffen.

Diese haben die Schülerinnen und Schüler unter der Anleitung der WKO Musikvermittlerin Anja Schödl und ihrem Musiklehrer Udo Völker mit den WKO Musikern Sergei Drabkin (Cello), Götz Engelhardt (Bratsche), Johannes Hehrmann (Geige) und Arthur Balogh (Kontrabass) geprobt. In einer ersten Durchlaufprobe am Freitag war das Stück zum ersten Mal ohne Unterbrechungen und in seiner originalen Reihenfolge zu hören. Am Montag ging es dann auch die Bühne im Wilhelm-Maybach-Saal um das Stück unter realen Raumbedingungen zu proben und auch die Lichtstimmungen und Bühnentechnik zu testen. Continue reading

Hausmusik der Familie Mendelssohn mit Ronald Brautigam und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn

Ronald Brautigam, Foto: Marco Borggreve

Ronald Brautigam, Foto: Marco Borggreve

„Ich liebe Mendelssohn wegen seines Esprit“, sagt Ronald Brautigam über den Komponisten, dessen Werke im Mittelpunkt des 7. Heilbronner Konzertes am 26. März 2014 stehen. Es ist bereits der zweite Teil des Mendelssohn Projekts mit dem Pianisten und dem Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn.

In diesem Teil sind ausschließlich Kompositionen aus der Jugend von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören. Die zwölf Streichersinfonien und das Klavierkonzert in a-Moll schuf er für die sonntäglichen Konzerte in seinem Elternhaus bereits im Alter von 12 bis 14 Jahren. Diese Konzerte leitete der junge Mendelssohn selbst vom Klavier aus. Bei den Streichersinfonien, welche für eine kammermusikalische Streicherbesetzung geschrieben sind, improvisierte Mendelssohn Bartholdy eine Continuostimme am Klavier. Continue reading

Im Interview: Irene Lachner, Solobratschistin

Irene Lachner, gezeichnet von Matto

Irene Lachner, gezeichnet von Matto

In der Reihe “Im Interview” stellen sich hier im Blog die Musiker des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn vor. Heute im Gespräch: Irene Lachner, Solobratschistin.

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Üben, üben, üben … (lacht). Es war immer mein Wunsch, eine Stelle im Kammerorchester zu bekommen. Als Sechsjährige spielte ich im Kammerorchester meines ersten Geigenlehrers, während des Studiums bei Prof. Lukas David an der Musikhochschule in Detmold im Kammerorchester von Tibor Varga. Ich tourte mit den Deutschen Bachsolisten sechs Wochen durch Japan, ging dann nach Stuttgart, wo ich sowohl im Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks als auch im Kammerorchester Karl Münchinger spielte. Nach gewonnenem Probespiel landete ich schließlich 1989 beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn Continue reading

Margarita Höhenrieder und die Wiener Symphoniker mit Werken von Mozart bis Chopin

CD Cover, Foto: Solo Musica

CD Cover, Foto: Solo Musica

Beim Münchner Label Solo Musica ist eine neue CD der Pianistin Margarita Höhenrieder erschienen. Ihre Veröffentlichungen werden in Fachkreisen hoch geschätzt. Margarita Höhenrieder stellt in der aktuellen Aufnahme drei große Klavierwerke nebeneinander, die eine deutliche künstlerische Verwandtschaft eingehen. Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur ist eines der populärsten und am meisten aufgeführten Konzerte des Salzburger Wunderknaben. Auf seine Oper „Don Giovanni“ beziehen sich die Variationen op. 2 „La ci darem la mano“ in B-Dur von Frédéric Chopin, welche Robert Schumann in seiner „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ begeistert rezensierte. Von Schumann stammt dann auch das zweite große Klavierkonzert auf der CD: das Klavierkonzert op. 54 in A-Moll.

Harmonisches Zusammenspiel durch alle Tempi

Margarita Höhenrieder wird auf ihrer neuesten CD von den Wiener Symphonikern unter der Leitung ihres Chefdirigenten Fabio Luisi begleitet. Fabio Luisi, designierter Nachfolger von James Levine an der New Yorker Met, führt die Wiener Symphoniker als einfühlsame Begleiter der Pianistin. Das harmonische Zusammenspiel zeigt sich von Anfang an bei Mozart – besonders im wunderbar melancholischen zweiten Satz. Dass dieses auch in schnellere Tempi mitgetragen wird, machen Margarita Höhenrieder und die Wiener Symphoniker im Finale deutlich.

Lebendiger Dialog der Künstler Continue reading

Meet and Tweet – Twitter-Probe zu Relâche im Theater Heilbronn

Foto: WKO

Foto: WKO

Einmal im Jahr bringt das Württembergische Kammerorchester Heilbronn gemeinsam mit dem Theater Heilbronn eine Musiktheaterproduktion auf die Bühne. In diesem Jahr dreht sich in “Relâche – heute keine Vorstellung” alles um Erik Satie und seine Musik. Dabei heißt es in den Vorstellungen natürlich Handy aus!.

Bei der vorherigen Produktion “Minsk” fand zum ersten Mal eine Twitter-Probe statt. Nach dem Erfolg dieses Experimentes wird es auch in diesem Jahr eine Tweetup-Probe geben. Diese findet am 12. April 2014 im Theater Heilbronn statt. Wir treffen uns am 12. April 2014 um 09:30 Uhr im Foyer des Großen Hauses zum Kennenlernen und einer kurzen Stückeinführung. Die Bühnenorchesterprobe geht dann von 10:00 bis 11:00 Uhr. Im Anschluss gibt es in der Kantine bei einem Kaffee die Möglichkeit zum Nachgespräch. Continue reading

Was ist eigentlich ein Babykonzert? – Das Württembergische Kammerorchester für junge Familien

Babykonzert im redblue Heilbronn, Fotostudio M42

Babykonzert im redblue Heilbronn, Fotostudio M42

Rund zweihundert große Augenpaare blicken gespannt auf die Instrumente. Auf bunten Matten und Decken verteilt sitzen viele junge Familien mit ihren Babys auf dem Boden des Intersport-Veranstaltungscenters redblue in Heilbronn. Spielsachen und Wickeltaschen sind darauf verteilt. Vor dem Saal stauen sich die Kinderwägen. Gerade noch rechtzeitig greift ein junger Vater ein, bevor die kleine Hand in die Kontrabassaiten fasst.

Bereits zum sechsten Mal veranstaltet das Württembergische Kammerorchester Heilbronn am 10. März ein Babykonzert. Diese könnten eigentlich Konzerte für junge Familien heißen, denn das sind sie. Mit den Babykonzerten möchte das Württembergische Kammerorchester jungen Familien mit Babys unter einem Jahr den Besuch eines Konzertes mit klassischer Musik ermöglichen. Dabei ist natürlich einiges anders, als im Mietkonzert in der Harmonie.

Im Konzert ist (fast) alles erlaubt

Der Konzertbesuch mit Babys braucht vor allem Zeit, deshalb kommen die Eltern sehr frühzeitig. Häufig kommen auch Großeltern mit, welche die Uhrzeit am Vormittag und die lockere Atmosphäre schätzen. Auf Kuscheldecken und bunten Matten machen es sich die Zuhörer bequem, so dass die Babys gemütlich liegen, sitzen, gestillt werden, aber auch herumkrabbeln können. Auch Wickelplätze sind im redblue vorhanden, damit alle das Konzert genießen können und nachher nicht sofort nach Hause müssen.

Damit das Konzert für die jungen Besucher spannend bleibt, wählen Chefdirigent Ruben Gazarian und Intendant Christoph Becher Werke aus, die durch interessante, abwechslungsreiche Klänge und schöne Melodien auffallen. Dabei achten sie auch darauf, dass es für die kleinen, empfindlichen Ohren nicht zu laut wird. Die abwechslungsreichen Rhythmen der Werke sorgen immer wieder für ein Aufhorchen bei den kleinen Gästen, für die es häufig der erste Konzertbesuch ihres Lebens ist. Continue reading

Die Spur führt zu Beethoven – Margarita Höhenrieder, Artist in Blog Residence

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp  / pixelio.de

Skulptur Ludwig van Beethoven, Lilo Kapp / pixelio.de

Am 11. Februar 1812 wurde Ludwig van Beethovens 5. Klavierkonzert op. 73 in Es-Dur erstmals in Wien aufgeführt. Am Flügel saß Carl Czerny. Dieser war Sohn des Pianisten Wenzel Czerny und selbst überaus begabt. Bereits mit 15 Jahren war er ein gesuchter Klavierlehrer. Zuvor, von 1801 bis 1803, war er selbst ein Schüler des erfolgreichen Komponisten Ludwig van Beethoven.

An dem Zusammentreffen dieser beiden Musiker kann man eine gerade Linie musikalischer Lehrtätigkeit verfolgen, welche bis zu unserem Artist in Blog Residence, der Pianistin Margarita Höhenrieder, führt.

Von Beethoven zu Artur Schnabel

Denn der Beethoven-Schüler Carl Czerny wurde selbst ein gefragter Komponist, Musikpädagoge und Pianist. Carl Czerny unterrichtete ab 1841 in Wien den jungen Pianisten Teodor Leszetycki. Dieser hatte bereits mit elf Jahren in Lemberg, mit einem Konzert seines späteren Lehrers Carl Czerny, als Pianist debütiert. Nach einer Professur in Klavierspiel am Konservatorium in St, Petersburg kehrte Teodor Leszetycki 1878 nach Wien zurück. Dort unterrichtete er ab 1888 den elfjährigen Artur Schnabel. Nach einigen Jahren Unterricht ging Artur Schnabel nach Berlin, wo er später Professor an der Musikhochschule wurde. Internationale Beachtung erlangte er durch die Aufführung des Tripelkonzerts C-Dur op.56 von Ludwig van Beethoven mit dem Geiger Karl Klingler, dem Cellisten Arthur Williams und den Berliner Philharmonikern und die Aufführung und Einspielung sämtlicher Sonaten von Beethoven.

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