Gastspiel in London mit der “Bernhard-Suite”

Am 26. Oktober 2013 hat das WKO die Uraufführung der „Bernhard-Suite“ im Eventzentrum redblue gespielt. Die Komponisten, der britische Singer-Songwriter Adam Donen und sein Landsmann Roger O’Donnell, sorgen für Aufsehen, insbesondere O’Donnell, der sich als Keyboarder von The Cure in den Achtzigern in den Pop-Olymp hineinspielte. Dass zwei britische Musiker sich derart in die misanthropische, aber immens musikalische Prosa des Österreichers Thomas Bernhard (1931–1989) verlieben, klingt so unglaublich, dass das WKO die Herausforderung der Suite annimmt. Am Ende haben wir es mit einem zweisätzigen Stück für Streicher und Klavier zu tun, ergänzt und abgeschlossen von einem dreiminütigen „Lullaby“ dessen Idylle dem Publikum nahelegt die pessimistische Prosa von Bernhard zurückzunehmen – besser: zu korrigieren. Das immerhin würde zu dem Roman „Korrektur“ (1975) passen, von dem Donen sich bei der Komposition maßgeblich inspirieren ließ.

Unmittelbar nach der Uraufführung der „Bernhard-Suite“ sollte die Aufführung des Stückes in London erfolgen. Doch das Konzert musste verschoben werden. Wir fliegen erst am 4. Juni 2014 nach London. Am kommenden Vormittag findet die Generalprobe statt, und zwar in der Cadogan Hall. Voller Optimismus haben viele von uns zunächst Carnigan Hall gelesen, aber das ist unfair. Die Cadogan Hall, gelegen im Stadtteil Belgravia südlich des Hyde Park, wurde 1907 als Kirche fertiggestellt und, nachdem die britische First Church of Christ in den 1990ern Insolvenz anmelden musste, säkularisiert. Heute präsentiert sich ein edler Konzertsaal für 900 Besuchern, luxuriös ausgestattet und die glückliche Heimat des Royal Philharmonic Orchestra. Die Streicher haben es akustisch nicht leicht, sich gegen das Klavier zu behaupten, weil der Streicherklang sich im hohen Haus verflüchtigen möchte. Aber die Arbeit mit unserem Gastdirigenten Fawzi Haimor, Kapellmeister in Pittsburgh, macht Spaß. Am Ende scheint es, als hätten wir eine neue Freundschaft geschlossen. Continue reading

Das Konzert und die Sinfonie, ein Streitgespräch

Foto: WKO

Foto: WKO

Einst trafen sich das Konzert und die Sinfonie im Foyer der Harmonie. Mit vier großen Sätzen ist die Sinfonie auf die Bühne gesprungen. Das Konzert macht es sich eher zurückhaltend mit einer leisen Eröffnung auf der Bühne bequem.

Exposition

„Bei Dir drängt sich immer einer in den Vordergrund“, poltert die Sinfonie mit einem Tutti-Auftakt. „Ich bin froh, dass bei mir brillante Solisten zeigen können, wie sie ihr Instrument beherrschen. Und dennoch zählt ganz besonders das intensive Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester“, erwidert das Konzert. Es fährt fort: „Ich erinnere mich da zum Beispiel an die 30-jährige Verbundenheit des WKO mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann. Da spürt man sofort wie Orchester und Solist miteinander agieren“. Continue reading

Im Interview: Stefan Schubert, Violine II

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Auto und Flugzeugtechnikern, in der hobbymäßig viel musiziert wurde. Mit meinem Vater, der auch Geige spielt, und meiner Schwester am Klavier habe ich schon als Kind viel Kammermusik gemacht. Bis ich 16 war, fand ich segeln und surfen allerdings wesentlich interessanter als Geige zu üben. Eine neue Geigenlehrerin schaffte es zu guter Letzt doch noch, mich aufs Musikstudium vorzubereiten. Direkt nach dem Studium kam ich ins Württembergische Kammerorchester Heilbronn, welches ich aus Konzerten im Münchner Gasteig bereits gut kannte und schätzte.

Welche Einstellung hatten Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch?

Sie haben sich sicher Sorgen gemacht, ob ich das schaffe, mich aber immer nach Kräften unterstützt.

Gibt es eine Musik, die Dich bestärkt hat, Orchestermusiker zu werden?

Ich glaube, bei César Francks Violinsonate hat es mit 17 Jahren Klick gemacht. Ich fand es faszinierend, wie sich meine eigene Gefühlswelt in diesem Werk auf magische Weise widerspiegelte. Continue reading

Bildergalerie vom Maimusik Open Air

200. Jubiläum der Kammermusikreihe in der Kreissparkasse

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Sie hat zwei Umbauten ihres Konzertsaales, drei Hausherren und zwei Chefdirigenten erlebt: Am 27. Mai 2014 feiern die Kreissparkasse Heilbronn und das Württembergische Kammerorchester das 200. Konzert ihrer gemeinsamen Kammermusikreihe.

Als im Winter 1990 die Idee entstand eine Kammermusikreihe ins Leben zu rufen, hatten nur wenige mit einer solch langen Kontinuität gerechnet. Georg Oyen, künstlerischer Koordinator der Reihe, Cellist im WKO und großer Kammermusikliebhaber, war stets davon überzeugt. und der Erfolg gibt ihm recht: Bereits zum ersten Konzert am 19. März 1991 kamen rund 250 Besucher. Der Zuspruch ist bis heute ungebrochen und die Heilbronner erweisen sich als wahre Kammermusikfreunde

624 Werke Kammermusik – ein kleine Statistik

Über die vergangenen 13 Jahre hat sich die Kammermusikreihe zu einer der erfolgreichsten ihrer Art in Deutschland entwickelt. 196 Musiker haben die Kammermusikkonzerte bestritten, viele, die als Gäste der WKO-Musiker mitwirkten kamen regelmäßig wieder. Den größten Teil der 937 Einzelengagements stellten dabei die Musiker des WKO. Gemeinsam haben sie 624 unterschiedliche Kammermusikwerke aufgeführt. Dabei reicht die stilistische Bandbreite vom Barock bis hin zu Gegenwart. Auch fünf Uraufführungen waren in der Kammermusikreihe zu hören. Continue reading

Im Interview: Georg Oyen, Violoncello

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Du leitest die Konzertreihe in der Glaspyramide der Kreissparkasse, in der die Musiker des WKO Kammermusik spielen. Wie wurde bei Dir die Begeisterung für die Kammermusik geweckt?

Ich war Solo-Cellist im Landesjugendorchester NRW, als unser Konzertmeister vorschlug, einen Quartettkurs zu besuchen. Das war 1980 und da hat es uns erwischt. Es folgten unvorstellbar intensive Studienjahre beim Amadeus-Quartett in Köln und beim Bartók-Quartett in Budapest.

Teamarbeit ohne Hierarchie ist eine Herausforderung. Auch in unserer WKO-Kammermusikreihe war das für viele Neuland, zumindest am Anfang. Aber es ist das, was mir persönlich immer die größte Freude bereitet hat. Es ist sehr spannend und es braucht viel Gruppendynamik, um am Ende zu einer Interpretation zu kommen, hinter der alle stehen, an der sich alle beteiligen können. Ich empfinde das immer noch als eine Art Virus, und der ist unheilbar. Aber er macht nicht krank, sondern gibt immer wieder neue Kraft. Continue reading

Im Interview: Satoko Koike, Stimmführerin Violine II

Satoko Koike, Fotostudio M42

Satoko Koike, Fotostudio M42

Du bist erst seit Februar im WKO. Hast Du Dich hier schnell eingelebt?

Ich kannte das Orchester bereits zuvor, da ich schon oft als Aushilfe gespielt habe. Deswegen war es für mich sehr angenehm und einfach anzufangen.

Wie bist Du zur Violine gekommen und was hat Dich nach Deutschland gezogen?

In Japan ist klassische Musik sehr beliebt. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich meine Mutter zum Geigenrecital mitgenommen und da habe ich gesagt: „Dieses Instrument möchte ich spielen“. Ich habe in Japan studiert und hatte eigentlich nicht vor, nach Deutschland zu kommen. Aber bei einem Meisterkurs in Italien hat mir der Lehrer gesagt, dass ich unbedingt nach Deutschland gehen müsse, da meine Art des Musizierens dorthin passt.

Du hast auch in Sinfonieorchestern gespielt. Was ist das Besondere am Kammerorchester?

Ich liebe beides. Das Repertoire bei einem Sinfonieorchester ist sehr groß, und weil es so viele Instrumenten gibt, kann man manchmal eigene Töne nicht hören. Beim Kammerorchester ist das ganz anders: Hier geht es um jeden einzelnen Musiker und man hört jeden Ton.
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Innige Klaviermusik in der Abschlussmatinée der Maimusik

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Er ist erst 22 Jahre und bereits ein Star. Ein Wunderkind. Doch die Rede ist nicht etwa von Wolfgang Amadeus Mozart, dieser hat es zeitlebens nicht aus Europa herausgeschafft. Die Rede ist von Kit Armstrong. Sein Klavierdebüt gab er mit acht Jahren. 14 Jahre später arbeitet er international sowohl als Pianist, als auch als Komponist, mit renommierten Orchestern. Bei der „Maimusik“ spielt er am Vormittag des 25. Mai 2014 ein Recital in der Heilbronner Harmonie. Eine Programmauswahl aus seiner ersten CD, die kürzlich erschienen ist, wird zu hören sein.

Ein Wunderkind voller Bescheidenheit

„Wunderkind“, so nannte Alfred Brendel den damals 16-jährigen Kit Armstrong. Doch Armstrong ging nicht den Weg des schnellen, schillernden Erfolges. Sechs Jahre lies er sich Zeit, bis im Herbst vergangenen Jahres seine Debüt-CD erschien. Von seinem Mentor Alfred Brendel lernte er auch die Geduld und die Bescheidenheit. In den sechs Jahren von seinem Bühnen- bis zum CD-Debüt hat er viel konzertiert, sich mit der Musik beschäftigt und seinem Hobby, der Mathematik, gefrönt. In dieser Zeit ist er reif geworden und hat seine Klaviermusik verinnerlicht . So ist die Debüt-CD ein Beweis der Innigkeit und Musikalität des „Wunderkindes“.

Gefühlslandschaft am Klavier

„Eine Gefühlslandschaft, abwechslungsreich wie die einer Barockoper“, schreibt die Wochenzeitung ZEIT über die Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach. Kit Armstrong hat sie selbst für das Klavier bearbeitet und auf der CD durch eine eigene Fantasie über B-A-C-H ergänzt.

Diese Bearbeitung wird auch in der Matinée der „Maimusik Heilbronn“ zu hören sein. Ihr stellt der junge Pianist das seelenbefriedete Choralvorspiel op. 122 von Johannes Brahms über den Choral „Herzlich tut mir verlangen“ voran. Unüberhörbar ist die musikalische Beziehung zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhard, den Johann Sebastian Bach regelmäßig zitierte.

Matinée bei der Maimusik

Doch das Konzertprogramm in der Harmonie Heilbronn wird über die Musik der Debüt CD hinausgehen. Während das Choralvorspiel, trotz freier Elemente, stark an den Choral gebunden ist, löst sich die Fantasie stärker von den ihr zugrunde liegenden Melodien. Der Niederländer Jan Peterson Sweelincks schrieb im 16./17. Jahrhundert variantenreiche Fantasien. An diese freie Gestaltungsform knüpft im 19. Jahrhundert Franz Liszt an. Seine „Fantasie und Fuge über ‘Ad nos, ad salutarem undam’“ bezieht sich auf Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“. Dort ruft der Gesang des Psalmes zu Widerstand gegen die Sklaverei und Leibeigenschaft auf. Die Erregung ist in der Musik zu hören, der Text in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni natürlich nicht.

Dieses Konzept verfolgt auch Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinen Liedern ohne Worte. Kit Armstrong wird mit ihnen die Matinée eröffnen. Obwohl es in den Liedern ohne Worte keinen Text gibt, so scheinen sie doch aus der Musik heraus zu sprechen. Dies setzt natürlich eine starke Ausdruckskraft des Pianisten voraus, wie sie beim gereiften Wunderkind Kit Armstrong durchweg zu hören ist.

Artist in Blog Residence – Neu in der Social Media Welt


„Artist in Residence“ ist mittlerweile eine bekannte und etablierte Einrichtung in vielen Kulturinstitutionen. In einem Blog hingegen ist sie neu. Seit Februar diesen Jahres ist Margarita Höhenrieder „Artist in Blog Residence“ des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn und somit die erste Künstlerin, überhaupt, die diesen Titel trägt. Höchste Zeit also, dieses Novum der Blog-Geschichte einmal genauer zu betrachten.

Artist in Residence

„Unter Artist in Residence sind Programme zu verstehen, die es Künstlern unterschiedlicher Fachrichtungen erlauben, ihre kreativen Tätigkeiten ohne unmittelbaren Einsatz eigener finanzieller Mittel auch außerhalb ihres Kulturkreises auszuüben“ sagt Wikipedia.

Mittlerweile bezeichnet der Begriff jedoch auch Künstler, die über einen begrenzten Zeitraum, z.B. eine Spielzeit, eng mit einer Kulturinstitution zusammenarbeiten. Der Begriff ist in der Musik vor allem bei Festivals geläufig. So ist Fazıl Say dieses Jahr mit dem Bodenseefestival verbunden, der Klarinettist Jörg Widmann mit dem Rheingau Musik Festival und Patricia Kopatchinskaja mit dem Beethovenfest Bonn. Das Kurt Weill Fest in Dessau hat mit Antony Hermus und der Anhaltischen Philharmonie gleich ein „Orchester in Residence“. Jedoch unterhalten auch die Städte München, Frankfurt/Mai und andere „Artist in Residence“-Programme. Continue reading