Alles live? Was ein Orchestererlebnis so besonders macht

Theodor-Heuss-Saal beim Neujahrskonzert 2005, Foto: Georg Mayer

Theodor-Heuss-Saal beim Neujahrskonzert 2005, Foto: Georg Mayer

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade „Alles ‘nur’ Theater!?“ des Theaters Heilbronn. In einer Blogparade ruft ein Blogbetreiber andere auf sich mit eigenen Beiträgen zu einem bestimmten Thema zu beteiligen. Das Theater Heilbronn sammelt die Beiträge auf seiner Seite und wir sind gespannt, was daraus entsteht.

Theater und Orchester haben eines gemeinsam. Alles im Theater ist live und im besten Wortsinne einmalig und unwiederbringlich. Ebenso geht es auch uns als Orchester in den Konzerten. Für eine CD kann ein Stück (theoretisch) wieder und wieder eingespielt werden. Der Hörer tut es dann sicherlich: Er wird die festgehaltene Aufnahme wieder und wieder abspielen und das Erlebnis Konzert scheinbar wiederholen.

Kein Pardon

Wiederholen. Das geht im Live-Konzert und in der Theateraufführung natürlich nicht. Hier haben wir auf der Bühne nur die eine Chance, nur diesen einen Moment in dem alles stimmen muss. In diesem einem Moment müssen wir das Publikum überzeugen. In diesem einen Moment soll beim Besucher das ankommen, was in den Proben erarbeitet wurde. Was ist, wenn eine Frage offen bleibt? Wenn das Gehörte verunsichert? Niemand kann im Konzert zurückspulen und nochmals dieselbe Stelle hören. Im Kino würde man sich vermutlich wenige Wochen später die DVD kaufen. Dies ist nur bei den wenigsten Konzerten möglich, und das ist auch gut so

Lampenfieber

Genau dieses Moment des Einmaligen macht das Live-Konzert so spannend. Schon vor dem Konzert zeigt Lampenfieber uns an, dass der Körper und die Konzentration sich auf Höchstleistung einstellen. Das Lampenfieber hilft dabei die Konzentration über das Konzert zu erhalten. Keiner der Musiker isst viel vor dem Konzert, da das Völlegefühl körperliche wie sinnliche Reaktionsvermögen  stark vermindert. Die Sinne von Musikern und Zuhörer sind aber absolut geschärft und erwartungsvoll. Das wird durch die Atmosphäre des klassischen Konzerts noch verstärkt. Die manchmal etwas skurril wirkenden Rituale geben dem Konzert seinen besonderen Charakter. Vielleicht könnte man manchmal auch meinen, das sei alles Theater, wie sich Konzertbesucher geben. Aber es unterstreicht nur die Bedeutung dieses einmaligen Momentes.

Was bleibt?

Dieser Moment der Stille, wenn der Dirigent die Hände hebt, scheint teilweise endlos zu sein. Es hat etwas magisches, wenn diese nach dem letzten Ton wiederkehrt. Die Wärme im Klang an einer ruhigen Stelle. Die Energie aus kraftbeladenen Tuttistellen. Das gemeinsame Erleben des Konzertes schafft eine Verbundenheit zwischen Musikern und Publikum. Die CD bleibt ein einsames Erleben.

Das alles wirkt aus dem Live-Konzert nach und schafft eine Gemeinsamkeit, die es nur im Live-Konzert gibt. Und im Theater.

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2 Comments

  1. Pingback: Aufruf zur Blogparade: Alles "nur" Theater!? | BLOG Theater Heilbronn

  2. Lieber Johannes,
    es freut uns zu hören, dass Du nun für die online Kommunikation beim WKO zuständig bist, gleich in die Tasten haust und Dich an unserer Blogparade beteiligst. Wir können Dir nur zustimmen, dass das Live-Erlebnis bei einem Konzert oder Theaterbesuch etwas ganz Besonderes und Einmaliges ist – welches man nicht missen möchte. Dein Beitrag beschreibt diesen magischen Moment der Stille wirklich ganz wunderbar!
    Wir hoffen, Du kommst uns bald mal wieder auf der anderen Seite der Allee besuchen!
    Viele Grüße aus deinem Theater Heilbronn,
    Katrin Schröder

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