„Chopin war DER Typ“

„Chopin war DER Typ“ (Helge Schneider)

„Klassik lebt von der individuellen Interpretation eines jeden Musikers“ – Für Olga Scheps schwingt in diesem Satz das Besondere an der klassischen Musik und ein wichtiger Grund, warum die Tochter zweier Pianisten den gleichen Beruf ergriffen hat wie ihre Eltern. Doch Klassik ist natürlich nicht gleich Klassik. Warum schlägt das Herz der jungen Frau gerade für Frédéric Chopin? Ihr Debut-Album mit dem schlichten Titel „Chopin“ widmete sie ganz dem berühmten Klavierkomponisten der Romantik und erhielt dafür direkt einen ECHO-Klassik. Im Dezember sind Olga Scheps und Frédéric Chopins 2. Klavierkonzert mit dem WKO in der Heilbronner Harmonie und im Ulmer Kornhaus zu hören.

Frédéric Chopin und seine Musik
Wie Scheps, so ist auch Chopin mit der Musik aufgewachsen. Der in Warschau geborene Sohn eines Franzosen und einer Polin begann mit dem Klavierspiel, als er vier Jahre alt war, den ersten Unterricht erhielt er mit sieben. Noch im selben Jahr veröffentlichte er seine erste Komposition, einen polnischen Tanz, die „Polonaise“. Mit acht Jahren trat Chopin erstmals auf. Im Alter von 21 Jahren ging er nach Paris, wo er in den Salons auftrat, als Klavierlehrer sein Geld verdiente und einen großen Freundeskreis fand, dem unter anderem Franz Liszt, Hector Berlioz und Jakob Meyerbeer, sowie die Schriftsteller Honore de Balzac und Heinrich Heine angehörten.
Chopins Kompositionen sind stark von seiner Herkunft, d. h. von den rhythmischen und melodischen Eigenheiten der polnischen Volksmusik, geprägt. Als Komponist ist er der Begründer eines völlig neuen, bis dahin nicht gekannten Klavierstiles. Der romantisch-lyrische Charakter seiner Musik ist gekennzeichnet von hoher Virtuosität, origineller Melodieführung, subtiler Rhythmik und modulationsreicher Harmonik. Er wurde wegen seiner Virtuosität und Improvisationskunst als „Nachfolger Mozarts“ bezeichnet. Seine romantisch-poetische Klavierkunst hat die Klaviermusik bis ins 20. Jahrhundert stark beeinflusst.

Olga Scheps bei „Helge hat Zeit“

Olga Scheps und Chopins Musik
Chopins Kompositionsstil bietet dem Interpreten viel Raum für eine eigene musikalische Gestaltung seiner Werke. Sicherlich ist das für Olga Scheps, die gerade diese Offenheit der Klassischen Musik als ganz besonders empfindet, ein wichtiger Grund, sich für die Musik des Romantikers zu entscheiden.
Geboren 1986 in Moskau, entdeckte die Tochter zweier Pianisten im Alter von vier Jahren das Klavierspiel für sich. Ihre Studien auf dem Instrument intensivierte sie nach dem Umzug der Familie nach Deutschland 1992. Bereits in jungem Alter entwickelte sie ihr einzigartiges Klavierspiel, das intensive Emotionalität und Ausdrucksstärke mit außergewöhnlichem pianistischen Können vereint. Dieses Talent entdeckte auch Alfred Brendel, der Olga Scheps seit ihrem 15. Lebensjahr fördert.
Scheps’ Repertoire umfasst in erster Linie Werke der Klassik und Romantik. Gleichermaßen gilt ihr Interesse Kompositionen, die selten auf Konzertbühnen zu hören sind, darunter sind auch die posthumen Etüden von Chopin. Ihre Solo-Recitals sind beim Publikum in aller Welt ebenso gefragt wie ihre umjubelten Auftritte als Solistin mit Orchester und ihre kammermusikalischen Projekte.

Wie hört sich dieses Verhältnis von Interpretin und Komponist nun an?
Julia Spinola hat sich für DIE ZEIT Olga Scheps‘ Interpretation von Frédéric Chopins Musik angehört: „In Wahrheit gibt es kaum etwas Schwierigeres auf dem Klavier, als jene gestaltsichere Offenheit zu realisieren, in der sich Chopins Musik scheinbar spontan immer wieder neu und überraschend entfaltet. Wer seine Klanglandschaften mit dem Gestus des Kenners durchmisst, dem nichts fremd und verborgen ist, hat immer schon verloren.
Dass Olga Scheps das Klavierspielen als Tochter zweier Pianisten wie eine Muttersprache erlernt hat, kommt ihr hier ungemein zugute. Ihr Rubato, ihr freier Umgang mit Beschleunigung und Verlangsamung, ist weit mehr als nur subjektive Manier. Es strömt frei und stimmig zugleich und zielt auf die Verdeutlichung der einzelnen Charaktere: geradezu traumverloren in den Verzierungen und Arabesken der Mittelsätze beider Konzerte, insbesondere des Larghettos im f-Moll-Konzert, das der 19-jährige Chopin als Liebeserklärung an eine Sängerin komponierte.“

Konzert und Aufnahme im Doppelpack

Felix Klieser und das Württembergische Kammerorchester spielen eine CD mit Hornkonzerten von Joseph und Michael Haydn sowie Fragmenten eines Hornkonzertes von Wolfgang Amadeus Mozart ein.

Beim CD-Debüt von Felix Klieser stand die Romantik im Mittelpunkt: Gemeinsam mit dem Pianisten Christof Keymer hatte er 2013 Werke von Rheinberger, Glière, Glasunow, Schumann, Saint-Saëns und Strauss eingespielt. „Die neue CD sollte auf jeden Fall eine andere musikalische Epoche zum Thema haben“, so Felix Klieser. Die Wahl fiel auf die Klassik. „Da ich für die Hornkonzerte von Mozart noch zu jung bin, entschied ich mich für Haydn, dessen Werke ich gut kenne und sehr gern spiele“. Hinzu trat ein Hornkonzert von Michael Haydn, das Klieser bereits auf einem Festival in Österreich zu Gehör gebracht hatte. Doch irgendetwas von Wolfgang Amadeus Mozart muss in einem klassischen Programm doch zu hören sein. Auf der Suche stieß der junge Hornist auf Fragmente des Konzertes für Horn und Orchester KV 370b und 371, die das Programm wunderbar ergänzen.

Reveries

Nun galt es das passende Orchester zu finden. Gemeinsam mit seinem Label „Berlin Classics“, das die CD-Einspielung produzieren wird, begab sich Klieser auf die Suche. „Ein Kammerorchester sollte es sein, das war klar. Wir haben verschiedene betrachtet, sind dann aber ziemlich schnell beim WKO gelandet“. Bereits die CD „Opera!“, die das WKO gemeinsam mit der Klarinettistin Sharon Kam 2013 eingespielt hatte, war bei „Berlin Classics“ erschienen. „Das war eine sehr professionelle und fruchtbare Zusammenarbeit, so dass uns die Entscheidung sehr leicht gefallen ist und die Freude über die Zusage des WKO groß war“, erzählt Bernd Kussin, Produkt Manager des Labels, der die Zusammenarbeit von Orchester und Solist initiiert hat.

Ein gemeinsames Konzert am 22. November in Neuenstadt ist der Startschuss für die Zusammenarbeit. In der daran anschließenden Woche steht die Einspielung auf dem Programm. WKO-Chefdirigent Ruben Gazarian und Felix Klieser haben sich in einem langen Telefonat bereits über die Reihenfolge und verschiedene weitere organisatorische Fragen verständigt. Musikalisch lernen sich Solist, Dirigent und Orchester zu den Proben, zwei Tage vor dem Konzert kennen. Wenig Zeit, um sich mit einander bekannt zu machen, doch schon fast ausgiebig im Vergleich zur Praxis anderer Orchester. Es ist immer wieder erstaunlich, welch große Vertrautheit aus so kurzer Probenzeit entsteht, in der sich völlig fremde Menschen musikalisch zusammenfinden. „Das ist der Job“, sagt Felix Klieser dazu schlicht und lacht.