Im Interview: Patrick Burkhardt, Cello

Patrick Burkhardt, Fotostudio M42

Patrick Burkhardt, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich hatte beim WKO bereits als Aushilfe gespielt, als ich hörte, dass mein Kollege Sergei Drabkin auf 50 % reduzieren würde. Ich bewarb mich um die somit vakante 50%-Stelle, und es hat zum Glück geklappt.

Mit der 50%-Stelle kannst Du sicherlich viele spannende Projekte nebenher machen?

Für mich ist dieser Zustand zurzeit ideal. Ich habe meine 50 Prozent hier und genieße die Vorzüge einer Festanstellung. Über die Gestaltung meiner restlichen Zeit kann ich frei entscheiden. Ich kann in anderen Orchestern spielen, schöne Kammermusikprojekte mit unterschiedlichen Ensembles machen oder auch meinen Hobbys nachgehen. Ich gehe gerne Kitesurfen und da ich das nicht vor der Haustüre machen kann, verbinde ich es gerne mal mit einem Kurzurlaub.

Durch die Einteilung kommt es schon mal vor, dass ich fünf oder sechs Wochen am Stück spiele und danach fünf Wochen frei habe. Wenn ich wiederkomme, heißt es dann scherzhaft: „Wer bist du denn?“ Continue reading

Dominique Horwitz über Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“

Dominique Horwitz, Foto: Ralf Brinkhoff

Dominique Horwitz, Foto: Ralf Brinkhoff

Wann haben Sie zum ersten Mal Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ gehört?

Vor etwas mehr als zehn Jahren. Der Mitteldeutsche Rundfunk hatte mich deswegen angefragt und seitdem verfolgt mich musikalisch der Dreibeinige.

Welche Wirkung hat das Werk auf Sie?

Eine bombastische. Die Unausweichlichkeit der Katastrophe, die Zeit und die Ereignisse die auf der Bühne bewusst komprimiert werden, das ist es, was dieses Werk so modern und unsterblich macht.

Neben dem Erzähler lesen Sie ja auch Soldat und Teufel. Wie schaffen Sie es die Rollen so schnell zu wechseln?

Kunst, vor allem Musik, hat viel mit Rhythmus zu tun. Für einen Schauspieler ist es zuweilen ein Vorteil, etwas musikalisch zu sein.

Wird die Darstellung eines solchen Themas einfacher, wenn die Musik hinzukommt?

Das ganze Leben wird einfacher, wenn die Musik hinzukommt.

Hilft es dabei nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger zu sein?

Bei der Geschichte vom Soldaten ist es wie mit den meisten Aufgaben im Leben. Sie meistern sie besser mit Partnern, Freunden oder Kollegen. Wenn der Schauspieler auf der Bühne gleichsam Teil des Orchesters ist, denkt keiner mehr über Abgrenzungen und Schubladen nach. Und das macht das Leben spannend.

Warum lohnt es sich Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ live zu erleben?

Es ist ein großes Thema, jeder sollte darüber nachdenken, was es heißt, seine Seele zu verkaufen. Es ist großes Theater, es ist große Musik. Und es ist zugleich große Unterhaltung.

Dominique Horwitz ist im Konzert am 25. Juni in der Heilbronner Harmonie mit dem Württembergischen Kammerorchester zu hören.

Gastspiel in London mit der “Bernhard-Suite”

Am 26. Oktober 2013 hat das WKO die Uraufführung der „Bernhard-Suite“ im Eventzentrum redblue gespielt. Die Komponisten, der britische Singer-Songwriter Adam Donen und sein Landsmann Roger O’Donnell, sorgen für Aufsehen, insbesondere O’Donnell, der sich als Keyboarder von The Cure in den Achtzigern in den Pop-Olymp hineinspielte. Dass zwei britische Musiker sich derart in die misanthropische, aber immens musikalische Prosa des Österreichers Thomas Bernhard (1931–1989) verlieben, klingt so unglaublich, dass das WKO die Herausforderung der Suite annimmt. Am Ende haben wir es mit einem zweisätzigen Stück für Streicher und Klavier zu tun, ergänzt und abgeschlossen von einem dreiminütigen „Lullaby“ dessen Idylle dem Publikum nahelegt die pessimistische Prosa von Bernhard zurückzunehmen – besser: zu korrigieren. Das immerhin würde zu dem Roman „Korrektur“ (1975) passen, von dem Donen sich bei der Komposition maßgeblich inspirieren ließ.

Unmittelbar nach der Uraufführung der „Bernhard-Suite“ sollte die Aufführung des Stückes in London erfolgen. Doch das Konzert musste verschoben werden. Wir fliegen erst am 4. Juni 2014 nach London. Am kommenden Vormittag findet die Generalprobe statt, und zwar in der Cadogan Hall. Voller Optimismus haben viele von uns zunächst Carnigan Hall gelesen, aber das ist unfair. Die Cadogan Hall, gelegen im Stadtteil Belgravia südlich des Hyde Park, wurde 1907 als Kirche fertiggestellt und, nachdem die britische First Church of Christ in den 1990ern Insolvenz anmelden musste, säkularisiert. Heute präsentiert sich ein edler Konzertsaal für 900 Besuchern, luxuriös ausgestattet und die glückliche Heimat des Royal Philharmonic Orchestra. Die Streicher haben es akustisch nicht leicht, sich gegen das Klavier zu behaupten, weil der Streicherklang sich im hohen Haus verflüchtigen möchte. Aber die Arbeit mit unserem Gastdirigenten Fawzi Haimor, Kapellmeister in Pittsburgh, macht Spaß. Am Ende scheint es, als hätten wir eine neue Freundschaft geschlossen. Continue reading

Das Konzert und die Sinfonie, ein Streitgespräch

Foto: WKO

Foto: WKO

Einst trafen sich das Konzert und die Sinfonie im Foyer der Harmonie. Mit vier großen Sätzen ist die Sinfonie auf die Bühne gesprungen. Das Konzert macht es sich eher zurückhaltend mit einer leisen Eröffnung auf der Bühne bequem.

Exposition

„Bei Dir drängt sich immer einer in den Vordergrund“, poltert die Sinfonie mit einem Tutti-Auftakt. „Ich bin froh, dass bei mir brillante Solisten zeigen können, wie sie ihr Instrument beherrschen. Und dennoch zählt ganz besonders das intensive Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester“, erwidert das Konzert. Es fährt fort: „Ich erinnere mich da zum Beispiel an die 30-jährige Verbundenheit des WKO mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann. Da spürt man sofort wie Orchester und Solist miteinander agieren“. Continue reading

Im Interview: Stefan Schubert, Violine II

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Stefan Schubert, Fotostudio M42

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich komme aus einer Familie von Auto und Flugzeugtechnikern, in der hobbymäßig viel musiziert wurde. Mit meinem Vater, der auch Geige spielt, und meiner Schwester am Klavier habe ich schon als Kind viel Kammermusik gemacht. Bis ich 16 war, fand ich segeln und surfen allerdings wesentlich interessanter als Geige zu üben. Eine neue Geigenlehrerin schaffte es zu guter Letzt doch noch, mich aufs Musikstudium vorzubereiten. Direkt nach dem Studium kam ich ins Württembergische Kammerorchester Heilbronn, welches ich aus Konzerten im Münchner Gasteig bereits gut kannte und schätzte.

Welche Einstellung hatten Deine Eltern zu Deinem Berufswunsch?

Sie haben sich sicher Sorgen gemacht, ob ich das schaffe, mich aber immer nach Kräften unterstützt.

Gibt es eine Musik, die Dich bestärkt hat, Orchestermusiker zu werden?

Ich glaube, bei César Francks Violinsonate hat es mit 17 Jahren Klick gemacht. Ich fand es faszinierend, wie sich meine eigene Gefühlswelt in diesem Werk auf magische Weise widerspiegelte. Continue reading