Sonne über der Maimusik

Württembergisches Kammerorchester Heilbronn zieht positive Bilanz des Festivals „Maimusik Heilbronn“

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

Kiliansplatz bei der Maimusik, Foto: Johannes Pfeffer

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – so lautete die Losung des Festivals „Maimusik Heilbronn“ des Württembergischen Kammerorchesters, das vom 14. bis zum 25. Mai 2014 erstmalig an verschiedenen Spielorten in Heilbronn stattgefunden hat. Drei Konzerte des Festivals waren unter freiem Himmel zu hören, was bei der nicht ganz eindeutigen Wetterlage im Wonnemonat Mai ein Wagnis darstellte. Auch das neue Konzept, dessen Idee es ist, unter dem Motto „Musizieren mit Freunden“ unterschiedlichste Gäste zum Festival einzuladen und an ungewöhnlichen Spielorten in der Stadt vorzustellen, ist aufgegangen – das Kammerorchester hat gewagt und: gewonnen.

Rund 6000 Besucher bei der Maimusik

Rund 6000 Besucher wurden mit den zehn Konzerten des Festivals erreicht und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn hat viele neue Freunde gewinnen können. „Es hat geklappt: Wir wollten in die Stadt gehen und mit Open-Air-Konzerten auch Personenkreise zum Hören klassischer Musik einladen, die üblicherweise nicht in unsere Konzerte kommen“, freut sich WKO-Intendant Dr. Christoph Becher. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, das Festival ist sehr gut angenommen worden – das ist ein toller Start in den Sommer“. Continue reading

Bildergalerie vom Maimusik Open Air

200. Jubiläum der Kammermusikreihe in der Kreissparkasse

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Glaspyramide der Kreissparkasse Heilbronn, Fotostudio M42_Thomas Frank

Sie hat zwei Umbauten ihres Konzertsaales, drei Hausherren und zwei Chefdirigenten erlebt: Am 27. Mai 2014 feiern die Kreissparkasse Heilbronn und das Württembergische Kammerorchester das 200. Konzert ihrer gemeinsamen Kammermusikreihe.

Als im Winter 1990 die Idee entstand eine Kammermusikreihe ins Leben zu rufen, hatten nur wenige mit einer solch langen Kontinuität gerechnet. Georg Oyen, künstlerischer Koordinator der Reihe, Cellist im WKO und großer Kammermusikliebhaber, war stets davon überzeugt. und der Erfolg gibt ihm recht: Bereits zum ersten Konzert am 19. März 1991 kamen rund 250 Besucher. Der Zuspruch ist bis heute ungebrochen und die Heilbronner erweisen sich als wahre Kammermusikfreunde

624 Werke Kammermusik – ein kleine Statistik

Über die vergangenen 13 Jahre hat sich die Kammermusikreihe zu einer der erfolgreichsten ihrer Art in Deutschland entwickelt. 196 Musiker haben die Kammermusikkonzerte bestritten, viele, die als Gäste der WKO-Musiker mitwirkten kamen regelmäßig wieder. Den größten Teil der 937 Einzelengagements stellten dabei die Musiker des WKO. Gemeinsam haben sie 624 unterschiedliche Kammermusikwerke aufgeführt. Dabei reicht die stilistische Bandbreite vom Barock bis hin zu Gegenwart. Auch fünf Uraufführungen waren in der Kammermusikreihe zu hören. Continue reading

Im Interview: Georg Oyen, Violoncello

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Georg Oyen, Foto: Fotostudio M 42

Du leitest die Konzertreihe in der Glaspyramide der Kreissparkasse, in der die Musiker des WKO Kammermusik spielen. Wie wurde bei Dir die Begeisterung für die Kammermusik geweckt?

Ich war Solo-Cellist im Landesjugendorchester NRW, als unser Konzertmeister vorschlug, einen Quartettkurs zu besuchen. Das war 1980 und da hat es uns erwischt. Es folgten unvorstellbar intensive Studienjahre beim Amadeus-Quartett in Köln und beim Bartók-Quartett in Budapest.

Teamarbeit ohne Hierarchie ist eine Herausforderung. Auch in unserer WKO-Kammermusikreihe war das für viele Neuland, zumindest am Anfang. Aber es ist das, was mir persönlich immer die größte Freude bereitet hat. Es ist sehr spannend und es braucht viel Gruppendynamik, um am Ende zu einer Interpretation zu kommen, hinter der alle stehen, an der sich alle beteiligen können. Ich empfinde das immer noch als eine Art Virus, und der ist unheilbar. Aber er macht nicht krank, sondern gibt immer wieder neue Kraft. Continue reading

Im Interview: Satoko Koike, Stimmführerin Violine II

Satoko Koike, Fotostudio M42

Satoko Koike, Fotostudio M42

Du bist erst seit Februar im WKO. Hast Du Dich hier schnell eingelebt?

Ich kannte das Orchester bereits zuvor, da ich schon oft als Aushilfe gespielt habe. Deswegen war es für mich sehr angenehm und einfach anzufangen.

Wie bist Du zur Violine gekommen und was hat Dich nach Deutschland gezogen?

In Japan ist klassische Musik sehr beliebt. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich meine Mutter zum Geigenrecital mitgenommen und da habe ich gesagt: „Dieses Instrument möchte ich spielen“. Ich habe in Japan studiert und hatte eigentlich nicht vor, nach Deutschland zu kommen. Aber bei einem Meisterkurs in Italien hat mir der Lehrer gesagt, dass ich unbedingt nach Deutschland gehen müsse, da meine Art des Musizierens dorthin passt.

Du hast auch in Sinfonieorchestern gespielt. Was ist das Besondere am Kammerorchester?

Ich liebe beides. Das Repertoire bei einem Sinfonieorchester ist sehr groß, und weil es so viele Instrumenten gibt, kann man manchmal eigene Töne nicht hören. Beim Kammerorchester ist das ganz anders: Hier geht es um jeden einzelnen Musiker und man hört jeden Ton.
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Innige Klaviermusik in der Abschlussmatinée der Maimusik

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Kit Armstrong, Foto: Jason Alden

Er ist erst 22 Jahre und bereits ein Star. Ein Wunderkind. Doch die Rede ist nicht etwa von Wolfgang Amadeus Mozart, dieser hat es zeitlebens nicht aus Europa herausgeschafft. Die Rede ist von Kit Armstrong. Sein Klavierdebüt gab er mit acht Jahren. 14 Jahre später arbeitet er international sowohl als Pianist, als auch als Komponist, mit renommierten Orchestern. Bei der „Maimusik“ spielt er am Vormittag des 25. Mai 2014 ein Recital in der Heilbronner Harmonie. Eine Programmauswahl aus seiner ersten CD, die kürzlich erschienen ist, wird zu hören sein.

Ein Wunderkind voller Bescheidenheit

„Wunderkind“, so nannte Alfred Brendel den damals 16-jährigen Kit Armstrong. Doch Armstrong ging nicht den Weg des schnellen, schillernden Erfolges. Sechs Jahre lies er sich Zeit, bis im Herbst vergangenen Jahres seine Debüt-CD erschien. Von seinem Mentor Alfred Brendel lernte er auch die Geduld und die Bescheidenheit. In den sechs Jahren von seinem Bühnen- bis zum CD-Debüt hat er viel konzertiert, sich mit der Musik beschäftigt und seinem Hobby, der Mathematik, gefrönt. In dieser Zeit ist er reif geworden und hat seine Klaviermusik verinnerlicht . So ist die Debüt-CD ein Beweis der Innigkeit und Musikalität des „Wunderkindes“.

Gefühlslandschaft am Klavier

„Eine Gefühlslandschaft, abwechslungsreich wie die einer Barockoper“, schreibt die Wochenzeitung ZEIT über die Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach. Kit Armstrong hat sie selbst für das Klavier bearbeitet und auf der CD durch eine eigene Fantasie über B-A-C-H ergänzt.

Diese Bearbeitung wird auch in der Matinée der „Maimusik Heilbronn“ zu hören sein. Ihr stellt der junge Pianist das seelenbefriedete Choralvorspiel op. 122 von Johannes Brahms über den Choral „Herzlich tut mir verlangen“ voran. Unüberhörbar ist die musikalische Beziehung zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhard, den Johann Sebastian Bach regelmäßig zitierte.

Matinée bei der Maimusik

Doch das Konzertprogramm in der Harmonie Heilbronn wird über die Musik der Debüt CD hinausgehen. Während das Choralvorspiel, trotz freier Elemente, stark an den Choral gebunden ist, löst sich die Fantasie stärker von den ihr zugrunde liegenden Melodien. Der Niederländer Jan Peterson Sweelincks schrieb im 16./17. Jahrhundert variantenreiche Fantasien. An diese freie Gestaltungsform knüpft im 19. Jahrhundert Franz Liszt an. Seine „Fantasie und Fuge über ‘Ad nos, ad salutarem undam’“ bezieht sich auf Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“. Dort ruft der Gesang des Psalmes zu Widerstand gegen die Sklaverei und Leibeigenschaft auf. Die Erregung ist in der Musik zu hören, der Text in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni natürlich nicht.

Dieses Konzept verfolgt auch Felix Mendelssohn-Bartholdy mit seinen Liedern ohne Worte. Kit Armstrong wird mit ihnen die Matinée eröffnen. Obwohl es in den Liedern ohne Worte keinen Text gibt, so scheinen sie doch aus der Musik heraus zu sprechen. Dies setzt natürlich eine starke Ausdruckskraft des Pianisten voraus, wie sie beim gereiften Wunderkind Kit Armstrong durchweg zu hören ist.

Artist in Blog Residence – Neu in der Social Media Welt


„Artist in Residence“ ist mittlerweile eine bekannte und etablierte Einrichtung in vielen Kulturinstitutionen. In einem Blog hingegen ist sie neu. Seit Februar diesen Jahres ist Margarita Höhenrieder „Artist in Blog Residence“ des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn und somit die erste Künstlerin, überhaupt, die diesen Titel trägt. Höchste Zeit also, dieses Novum der Blog-Geschichte einmal genauer zu betrachten.

Artist in Residence

„Unter Artist in Residence sind Programme zu verstehen, die es Künstlern unterschiedlicher Fachrichtungen erlauben, ihre kreativen Tätigkeiten ohne unmittelbaren Einsatz eigener finanzieller Mittel auch außerhalb ihres Kulturkreises auszuüben“ sagt Wikipedia.

Mittlerweile bezeichnet der Begriff jedoch auch Künstler, die über einen begrenzten Zeitraum, z.B. eine Spielzeit, eng mit einer Kulturinstitution zusammenarbeiten. Der Begriff ist in der Musik vor allem bei Festivals geläufig. So ist Fazıl Say dieses Jahr mit dem Bodenseefestival verbunden, der Klarinettist Jörg Widmann mit dem Rheingau Musik Festival und Patricia Kopatchinskaja mit dem Beethovenfest Bonn. Das Kurt Weill Fest in Dessau hat mit Antony Hermus und der Anhaltischen Philharmonie gleich ein „Orchester in Residence“. Jedoch unterhalten auch die Städte München, Frankfurt/Mai und andere „Artist in Residence“-Programme. Continue reading

Präsentation der Spielzeit 2014/15

Titel Saisonbroschüre 2014/15. Foto: WKO

Titel Saisonbroschüre 2014/15. Foto: WKO

In einer Pressekonferenz hat das Württembergische Kammerorchester Heilbronn heute das Programm für die kommende Spielzeit 2014/15 vorgestellt.

Musik von Franz Schubert und Dmitri Schostakowitsch eröffnet die Reihe der Heilbronner Konzerte in der Festhalle Harmonie. In Georg Oyens Bearbeitung für Streichorchester erklingt Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ im 1. Heilbronner Konzert am 24. September 2014. Hinzu tritt Schostakowitschs Sinfonie Nr. 14, in deren Gesangparts die Sopranistin Elena Zhidkova sowie der Bass Andreas Hörl zu hören sind.

Seit seinem Debütkonzert in der Hamburger Laeiszhalle führten Sebastian Knauer Konzerttourneen durch Europa, die USA, Südamerika und Asien. Zum 2. Heilbronner Konzert am 15. Oktober und zum 1. Ulmer Konzert am 16. Oktober 2014 ist er mit Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 595 Gast des WKO. Johann Sebastian Bachs Brandenburgische Konzerte stehen neben der Uraufführung von Jörn Arneckes Werk „Gegen-Sätze“ auf dem Programm des 3. Heilbronner Konzertes mit der Oboistin Céline Moinet am 5. November 2014.

Olga Scheps

Die russische Pianistin Olga Scheps kommt sodann mit Chopins Klavierkonzert Nr. 2, das sie spielt, als habe der Komponist es für sie und nicht sich selbst geschrieben, zum 4. Heilbronner Konzert am 10. Dezember 2014 in die Heilbronner Harmonie und am 11. Dezember ins Ulmer Kornhaus. Bereits in der Saison 2012/13 freuten sich die Musiker des WKO auf den Klaviervirtuosen Rudolf Buchbinder, dessen jahrzehntelange Karriere in den letzten Jahren noch einmal in schwindelerregende Höhen kletterte. Nun wird er beim 5. Heilbronner Konzert am 21. Januar 2015 das Kammerorchester vom Klavier aus leiten. Auf dem Programm stehen die drei großen Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven. Continue reading

Frank Peter Zimmermann im WKO Talk

Der Violinist Frank Peter Zimmermann ist der erste Gast in unserer Reihe WKO Talk. Gemeinsam mit dem Württembergischen Kammerorchester spielte er im Februar 2014 Werke für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Video sind Ausschnitte aus dem Konzert im Saal Is Sanat in Istanbul zu sehen.

Im Interview: Götz Engelhardt, Viola

Götz Engelhardt, Foto: privat

Götz Engelhardt, Foto: privat

Wie bist Du zum WKO gekommen?

Ich habe in Wien studiert und spielte anschließend zunächst im Festspielorchester “Arena di Verona”, danach ein halbes Jahr an der Mailänder Scala. Musiker im Kammerorchester zu sein, war aber schon als Student mein Traumziel. Die WKO-Stelle war im Orchesterheft ausgeschrieben und das Probespiel klappte.

Was unterscheidet die Probenarbeit im Festspielorchester „Arena di Verona“ und im WKO?

In Verona mussten die Musiker nachmittags unterrichten, die Proben waren vormittags und abends, auch wegen der Hitze. Es gab einen Monat Probephase, danach 3 Monate Vorstellungen in der Arena, immer am Abend. Tagsüber hatten wir frei, außer für Sonderkonzerte. Zum Beispiel erinnere ich mich an ein Konzert mit Luciano Pavarotti.

Die Qualität im Kammerorchester ist natürlich viel höher. Hier ist man als Einzelner viel mehr gefordert. Aber es war ein tolles Erlebnis in Italien mit den großen Sängern und dann an der Scala auch mit den großen Dirigenten zu musizieren. In Heilbronn kam ich aus dem dunklen Operngraben auf die Bühne hoch. Mit den großen Solisten in meist vollen Sälen zu spielen war und ist sehr aufregend und spannend. Continue reading